Kehrt Guttenberg Deutschland den Rücken?

Kehrt Guttenberg Deutschland den Rücken?

München. Viel Freude an Deutschland hat Ex-Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, Foto: dpa) wohl nicht mehr. Als er im Juni bei einem Konzert der Rock-Gruppe Bon Jovi in München gesichtet wurde, zog das gleich wieder eine Mini-Affäre nach sich, weil der zurückgetretene Minister in einer Staatskarosse mit Blaulicht chauffiert wurde

München. Viel Freude an Deutschland hat Ex-Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, Foto: dpa) wohl nicht mehr. Als er im Juni bei einem Konzert der Rock-Gruppe Bon Jovi in München gesichtet wurde, zog das gleich wieder eine Mini-Affäre nach sich, weil der zurückgetretene Minister in einer Staatskarosse mit Blaulicht chauffiert wurde. Jetzt soll er sich im US-Bundesstaat Connecticut ein Haus gekauft haben.Seine Partei hält nur noch verbal an ihrem gestürzten Shooting-Star fest. "Wir stehen nach wie vor zu Karl-Theodor", sagte kürzlich CSU-Chef Horst Seehofer. Doch wirklich glaubt in der CSU kaum noch jemand an ein Comeback des Adeligen. Die Akademiker unter den Christsozialen wären zum Teil sogar dagegen, wie der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). Große Teile seiner Doktorarbeit abzuschreiben, sei etwas, "was die Glaubwürdigkeit eines Menschen beschädigt", so der Professor: "Das kann man nicht so einfach wieder gut machen."

Guttenbergs politisches Erbe ist längst verteilt: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich beerbte ihn kürzlich als Chef des CSU-Bezirks Oberfranken. Sein Bundestagswahlkreis wird von den Ex-Kollegen mitverwaltet. Die Guttenberg-Fanclubs haben sich weitgehend verflüchtigt. In der Versenkung verschwunden, so scheint es, ist auch das Ermittlungsverfahren wegen Urheberrechtsverletzung, das die Staatsanwaltschaft Hof gegen den Ex-Politstar eingeleitet hat.

Schon kurz nach dem Rückzug von seinen Ämtern hatte man in der Partei über eine Abwanderung Guttenbergs in die USA spekuliert. Diese Spekulationen scheinen sich jetzt zu bewahrheiten. In den USA wolle Guttenberg Vorträge halten und ein Buch schreiben, meldet die ARD.

Neue Doktorarbeit?

Letzterer Plan sorgte in Guttenbergs undankbarer deutscher Heimat bereits für Spott. "Vielleicht will er ein Buch zusammenschreiben oder eines schreiben lassen", hieß es kurz nach Bekanntwerden der Abwanderungspläne schon in einschlägigen Blogs. Von Guttenberg selbst ist nichts zu hören. Er wolle sich "beruflich neu orientieren", hatte er früher einmal orakelt.

Von einem Berufsweg hatte der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) seinem Parteifreund allerdings schon abgeraten: "Eine wissenschaftliche Karriere wird er sicher nicht mehr machen." In der Oberfranken-CSU ist gleichwohl die Mutmaßung zu hören, Guttenberg wolle sich jenseits des großen Teiches der Mühe einer neuen, diesmal hundertprozentig eigenen Doktorarbeit unterziehen.

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Vielleicht findet der 39-Jährige in dem kleinen Neuengland-Staat auch die Zeit, sich um seine Internet-Fangemeinde zu kümmern. Denn nach dem Rücktritt versprach er seinen Facebook-Freunden: "Wir werden voneinander hören, und ich werde mich melden." Man ist gespannt.

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