Kaczynski soll neben Polens Königen ruhen

Warschau. Die Wawel-Burg in Krakau gilt für patriotische Polen als heilige Stätte. Die Kathedrale des dortigen Königsschlosses, wo jahrhundertelang polnische Herrscher residierten, dient als Grabstätte berühmter Könige und Staatsmänner Polens. Dort ruhen der Bezwinger des Deutschen Ritterordens bei Grunwald 1410, Wladyslaw II., und Johann III. Sobieski, der Sieger über die Türken 1683

Warschau. Die Wawel-Burg in Krakau gilt für patriotische Polen als heilige Stätte. Die Kathedrale des dortigen Königsschlosses, wo jahrhundertelang polnische Herrscher residierten, dient als Grabstätte berühmter Könige und Staatsmänner Polens. Dort ruhen der Bezwinger des Deutschen Ritterordens bei Grunwald 1410, Wladyslaw II., und Johann III. Sobieski, der Sieger über die Türken 1683. Auch der Sarg des Lieblingspolitikers von Lech Kaczynski, Jozef Pilsudski, der den polnischen Staat nach dem Ersten Weltkrieg 1918 wieder aufbaute, steht in einer Wawel-Krypta. Jetzt sollen Kaczynski und seine Frau Maria nach ihrem tragischen Tod an diesem Ort die letzte Ruhe finden. Volles Verständnis für Kaczynskis Anrecht auf einen Grabplatz in der Wawel-Burg zeigten die Behörden von Krakau. Kaczynski sei seit Kriegsende das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt, das gestorben sei, sagte der Chef des Verwaltungsbezirkes, Stanislaw Kracik. Auch die Kirche steht der Idee positiv gegenüber. Der Wawel wäre nicht nur aus Prestigegründen, sondern auch in politischer Hinsicht ein richtiger Ort. Als Präsident betrachtete Kaczynski die enge Zusammenarbeit mit Polens östlichen Nachbarn als seinen Schwerpunkt. Litauen, die Ukraine oder Georgien waren in seinem außenpolitischen Konzept nicht weniger wichtig als Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Nur wenn Polen eine wichtige Rolle in Osteuropa spiele, könne sich das Land auch in Westeuropa Gehör verschaffen, hieß seine Devise. Diese politische Linie knüpfte an die erfolgreiche Außenpolitik der Könige aus dem Jagiellonen-Geschlecht im 14. und 16. Jahrhundert an. Viele von ihnen ruhen in den Grabkammern von Wawel.Diese Politik brachte Polen, vor vier Jahrhunderten und auch heute, in Konflikt mit dem großem Nachbarn im Osten, Russland. Unermüdlich warnte Kaczynski in den vergangenen Jahren vor "imperialen Ambitionen" Russlands und stellte sich im Kaukasus-Krieg 2008 sofort auf die Seite Georgiens. Dass Ministerpräsident Donald Tusk mit einem Russland, "wie es ist", verhandeln wollte, galt in Kaczynskis Augen als Hochverrat.Paradoxerweise kann aber der Tod von Kaczynski eine Wende in den polnisch-russischen Beziehungen herbeiführen. Denn die russischen Reaktionen auf die polnische Nationaltragödie, geprägt vom Mitgefühl und Solidarität, zwingen beide Nationen zum Umdenken. "Vom psychologischen Durchbruch" im Verhältnis seines Landes zu Russland sprach der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski. Das Parlament in Warschau bedankte sich in einer Entschließung bei den Russen für die Hilfe. "Moskauer Brüder, Danke!", schrieb die Zeitung "Gazeta Wyborcza". Auch Lech Kaczynski wollte offensichtlich, abgesehen von seinem Misstrauen gegenüber dem mächtigen Nachbarn, auf Moskau zugehen. In seiner Rede in Katyn wollte der Präsident Russland einen Neuanfang anbieten, sagte sein enger Mitarbeiter aus der Präsidialkanzlei, Jacek Sasin. Diese Rede konnte er nicht mehr halten.

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