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Jubel für Papst Franziskus in Seoul

Jubel für Papst Franziskus in Seoul

Mit der Geschichte der Märtyrer in Korea können die meisten Südkoreaner heute nicht mehr viel anfangen. In Seoul erinnert Papst Franziskus bei einer Freiluftmesse an sie. Hunderttausende kommen vor allem, um den Papst zu sehen und mit ihm zusammen zu feiern.

Es ist eine Demonstration für die gewachsene Bedeutung der katholischen Kirche im Land. Am Freitag strömten Zehntausende zu einer Stadionmesse mit Papst Franziskus in der südkoreanischen Stadt Taejon. Am Samstag sind es mehrere Hunderttausend Menschen, um einen Gottesdienst mit ihm auf dem Kwanghwamun-Platz in der Hauptststadt Seoul zu verfolgen.

Die Messe in Seoul gilt als Höhepunkt des fünftägigen Besuchs - dem ersten eines Papstes in dem ostasiatischen Land seit 25 Jahren. Anlass der Messfeier im Freien ist die Seligsprechung von koreanischen Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden.

Es ist aber vor allem die Person des Papstes und seine Art des Auftretens, die die Menschen anzieht. "Es ist eine große Ehre für mich hier zu sein", sagt die 53 Jahre alte Roh Tee Sook aus Kimchon, die während des Gottesdienstes wie viele andere Katholikinnen einen weißen Schleier um ihr Haar trägt. Sie ist vom jetzigen Papst sichtlich beeindruckt, wie er sich für die Armen einsetzt. "Er ist sehr barmherzig und bescheiden", sagt sie.

Für die 29-jährige Lee Mee Hyun aus Seoul zählt die "Ernsthaftigkeit" des Argentiniers. "Ich kann das daran erkennen, wie er mit der Sewol-Katastrophe umgeht und die Familien der Opfer trifft", sagt sie unter Hinweis auf das schwere Fährunglück in Südkorea im April. Dabei kamen rund 300 Menschen ums Leben.

Der 77-Jährige wird wie schon in Taejon von den dicht gedrängt wartenden Gläubigen und Schaulustigen begeistert begrüßt. Immer wieder sind "Viva-Papa"-Rufe zu hören. Der Gottesdienst wird auf großen Leinwänden übertragen für Menschen, die nicht das Glück hatten, in den geschützten Bereich vor dem Podium mit dem Altar gelassen zu werden. Trotz der geschätzten 800 000 Menschen kommt es zu keinem größeren Zwischenfall.

Die Besucher der Messe werden Zeuge einer ungewöhnlichen Handlung. Franziskus spricht 124 als Märtyrer verehrte Katholiken selig - eine Aktion, die normalerweise nicht vom Papst selber vorgenommen wird. Zugleich nutzt er die Gelegenheit, um für ein opferbereites Leben für den christlichen Glauben zu werben. Mit der Feier kehre man zu den "ersten Augenblicken, sozusagen zur Anfangsphase der Kirche in Korea zurück", sagt er.

Über 10 000 Märtyrer zählt die südkoreanische Kirche heute. Viele von ihnen wurden im 18. und 19. Jahrhundert gefoltert und getötet. Die Christen in der Frühzeit der Kirche in Korea hatten einen schweren Stand. Ihre Lehre wurde als Gefahr für die soziale Ordnung gesehen.