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Jeder Dritte will Familie enterben können

Jeder Dritte will Familie enterben können

Nie wurde in Deutschland mehr vererbt. Der Trend soll sich bis 2020 fortsetzen. Fast jeder Dritte wünscht sich, dass man auch nahe Angehörige von der Erbschaft ausschließen kann.

In Deutschland wird das Vererben zunehmend zum Massenphänomen mit klaren Absprachen vor dem Todesfall. Nach einer repräsentativen Allensbach-Studie im Auftrag der Postbank wollen drei Viertel der Erben und vier Fünftel der Erblasser eine rechtzeitige klare Verteilung der Erbschaft, um späteren Streit zu vermeiden. Bisher gibt es eindeutige Regelungen nur in rund jedem vierten Fall.

Gut jeder dritte Befragte (30 Prozent) sprach sich dabei dafür aus, den Pflichtanteil für Ehegatten und Kinder abzuschaffen und so die Möglichkeit zu bekommen, auch nahe Verwandte zu enterben. Von den unter 35-Jährigen befürworteten das sogar 37 Prozent. Der Studie zufolge zeigt sich bei diesem Thema ein Ost-West-Unterschied: Im Osten wünschen fast 40 Prozent eine Enterbungsmöglichkeit naher Angehöriger, im Westen sind es 25 Prozent. Bislang kann der Erblasser per Testament zwar seine nächsten Verwandten offiziell enterben, ein Pflichtteil steht ihnen aber auch dann zu. Dieser ist halb so hoch wie der Anteil, der dem Enterbten ohne Testament zustehen würde.

Das Geld- und Sachvermögen der Haushalte in Deutschland hat sich zwischen 1991 und 2011 laut Statistischem Bundesamt mehr als verdoppelt. Entsprechend steht das Land vor einer historischen Erbschaftswelle. Nach Berechnungen der Postbank werden allein in diesem Jahr Vermögen im Wert von 254 Milliarden Euro weitergegeben. Bis 2020 steigt die Zahl auf 330 Milliarden Euro. Bei den über 65-Jährigen planen aktuell rund drei Viertel - fast 13 Millionen Menschen - die Weitergabe eines Erbes, heißt es in der Studie. Zunehmend gehe es dabei um Immobilien. Häuser oder Wohnungen seien bei zwei Dritteln aller Erbschaften zu erwarten.