Japan macht sich Mut

Peking. Ein Geiger spielt auf einer aus Tsunami-Trümmern gefertigten Geige, Opferfamilien pflanzen Kirschbäume, Künstler führen traditionelle Rituale auf: Mit hunderten Veranstaltungen haben die Japaner gestern den Jahrestag der verheerenden Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Nuklearunglück begangen, die am 11. März 2011 das Land erschütterte

Peking. Ein Geiger spielt auf einer aus Tsunami-Trümmern gefertigten Geige, Opferfamilien pflanzen Kirschbäume, Künstler führen traditionelle Rituale auf: Mit hunderten Veranstaltungen haben die Japaner gestern den Jahrestag der verheerenden Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Nuklearunglück begangen, die am 11. März 2011 das Land erschütterte. Um 14:46 Uhr, dem Zeitpunkt des Bebens, fand eine japanweite Schweigeminute statt."Es ist wichtig, dass wir diese Katastrophe niemals vergessen und die Lehren, die wir gelernt haben, an künftige Generationen weitergeben", sagte Kaiser Akihito bei einer Trauerfeier. Regierungschef Yoshihiko Noda versuchte derweil, Optimismus zu verbreiten: "Wir werden die von der Katastrophe betroffenen Gebiete mit aller Kraft unterstützen, damit die Menschen dort ihr Leben wieder aufbauen können", erklärte er.

In 130 internationalen Medien schaltete Noda am Wochenende Anzeigen, die das Vertrauen in Japan wiederherstellen sollten. "Unser Ziel ist nicht nur, das Japan wieder aufzubauen, das vor dem 11. März 2011 existierte, sondern ein neues Japan zu errichten", heißt es darin. Japan habe in den vergangenen Monaten beachtliche Fortschritte gemacht und stehe nun "am Anfang einer vollkommenen Wiederauferstehung".

Inwieweit das stimmt, ist in Japan allerdings umstritten. Ein Jahr, nachdem rund 19 000 Menschen ums Leben kamen und mehr als 125 000 Häuser zerstört wurden, kommen die Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau in den zerstörten Gebieten nur schleppend voran. In vielen Regionen sind die Trümmer noch immer nicht vollständig beseitigt, lokale Regierungen klagen über mangelnde finanzielle Unterstützung. Japans Rotes Kreuz warf der Regierung vor, wertvolle Zeit verschwendet und noch immer keinen Masterplan für den Neuanfang vorgelegt zu haben.

Die größte Unklarheit herrscht rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Die rund 70 000 Menschen, die die 20-Kilometer-Sperrzone verlassen mussten, wissen bis heute noch nicht, wie sie entschädigt werden sollen. bnt

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