Öffentlichkeit ausgeschlossen: Jahrelang Kinder missbraucht - Lügde-Prozess hat begonnen

Öffentlichkeit ausgeschlossen : Jahrelang Kinder missbraucht - Lügde-Prozess hat begonnen

Der Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat am Landgericht Detmold begonnen. Angeklagt sind drei Männer.

Ein 56-jähriger Dauercamper aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim nahe der niedersächsischen Landesgrenze sollen über viele Jahre hinweg Jungen und Mädchen teilweise schwer sexuell missbraucht haben. Einige der Gewalttaten filmten sie laut Staatsanwaltschaft. Die jüngsten Opfer sollen im Kindergartenalter gewesen sein.

Ein dritter Mann aus Stade in Niedersachsen ist angeklagt, weil er an einigen Webcam-Übertragungen teilgenommen haben soll. Bei allen drei Männern waren Bild- und Videodateien in gewaltigen Mengen sichergestellt worden, die sexuelle Übergriffe und Misshandlungen von Minderjährigen zeigen.

Kurz nach dem Prozessbeginn und noch vor Verlesung der Anklage im Missbrauchsfall Lügde hat das Landgericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda sagte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklageschriften genannt. Ebenso seien die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen über viele Jahre hinweg verübt worden sein sollen. Auch Medienvertreter mussten den Saal verlassen, nachdem die Kammer über den Ausschluss beraten hatte. Diesen hatten alle 18 Opferanwälte beantragt.

Im Rahmen der Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden. Angeklagt sind nach Angaben des Gerichts nun die Gewalttaten gegen 34 Opfer.

Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft dem heute 56-jährigen Dauercamper Andreas V. fast 300 Straftaten vor. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen teilweise schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Zudem wurden fast 900 Bild- und Videodateien bei ihm gefunden, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben, manche schwer. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden laut Anklage rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Dem Vorwurf zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige der Kinder wurden Opfer sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen im Kindergartenalter gewesen sein.

Ein dritter Angeklagter (49) soll an mindestens vier Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zu den Taten angestiftet haben. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sein Verfahren abgetrennt werden könnte. Alle drei Männer sind Deutsche und sitzen in Untersuchungshaft. Inzwischen wurden 28 Opfer als Nebenkläger zugelassen, sie werden von 18 Anwälten vertreten, die Zahl stieg kurz vor Prozessbeginn laut Gericht noch einmal leicht.

Parallel dazu dauern Ermittlungen in dem Fall an. Es war es auch zu Polizeipannen gekommen, 150 Datenträger - Beweismittel - aus einem Polizeiraum verschwunden. Jugendämter sollen frühen Hinweisen gegen Andreas V. nicht nachgegangen sein. Auch ein Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag soll Fehlverhalten aller befassten Ebenen und Behörden aufklären und sich mit den Polizei und Staatsanwaltschaft, Jugendämtern und dem Umgang der Landesregierung befassen.

Landgericht Detmold zum Verfahren

Sexueller Missbrauch von Kindern im Strafgesetzbuch

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern im StGB

Justizbeamte tragen einen Sichtschutz durch das Landgericht Detmold. Der Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz hat begonnen. Foto: Federico Gambarini.
Auf dem Campingplatz in Lügde sollen über Jahre hinweg mehr als 40 Jungen und Mädchen schwer sexuell missbraucht und dabei teilweise gefilmt worden sein. Foto: Guido Kirchner.

Sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung im StGB

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