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Italiener bejubeln Berlusconis Abgang

Italiener bejubeln Berlusconis Abgang

Rom. Zuletzt ging in Rom alles ganz schnell. Nahezu eineinhalb Jahre konnte sich der politisch angeschlagene Silvio Berlusconi noch mit knappen Mehrheiten im Parlament halten und Sex-Skandale und Prozesse überstehen. Doch der immer massivere Druck der Finanzmärkte und die Fluchtbewegungen aus seiner Regierungspartei ließen ihm schließlich keine andere Wahl mehr

Rom. Zuletzt ging in Rom alles ganz schnell. Nahezu eineinhalb Jahre konnte sich der politisch angeschlagene Silvio Berlusconi noch mit knappen Mehrheiten im Parlament halten und Sex-Skandale und Prozesse überstehen. Doch der immer massivere Druck der Finanzmärkte und die Fluchtbewegungen aus seiner Regierungspartei ließen ihm schließlich keine andere Wahl mehr. Am Samstagabend trat er die Abschiedsfahrt in den Palast des Staatspräsidenten Giorgio Napolitano an, seine Gegner feierten ausgelassen. "Das ist der Tag der Befreiung Italiens", so jubelte Pierluigi Bersani, der Chef der größten Oppositionspartei PD (Demokratische Partei). 24 Stunden später war dann klar: Nun soll Wirtschaftsfachmann Mario Monti rasch helfen. Doch dieser sagte nur "unter Vorbehalt" zu, neuer Premier zu werden.Der 75-jährige Medienzar und Milliardär hatte seit 1994 Italiens Politik aufgemischt und geprägt. Doch nun ist das Ende da. Mit allen offenen Fragen auch für Berlusconi selbst. Denn sein Medienimperium hat in der Finanzkrise gelitten - wie andere auch. Und kein Parlament bietet ihm jetzt noch juristischen Schutz vor den Prozessen um "Bunga Bunga" und Korruption. Und davon warten eine ganze Menge auf ihn.

Berlusconi tritt ab, und in Rom warten alle gespannt darauf, wie es weitergeht. Nachfolger soll ein früherer EU-Kommissar werden. Napolitano erteilte dem 68-jährigen Monti gestern Abend den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Zwar leistete das Mitte-Rechts-Lager Berlusconis noch Widerstand gegen den "Technokraten" Monti, doch alle wissen: Im Eiltempo muss Italien aus dieser Regierungskrise heraus und sein Schuldenproblem angehen. Doch Monti muss erst noch konsultieren, er gilt als gründlicher Mann. Bis zuletzt mochten aber manche nicht an einen Rücktritt des vom Geschäftsmann zum Politiker gewandelten Silvio Berlusconi glauben. Sie wollten doch erst mit eigenen Augen sehen, dass er den Regierungspalazzo Chigi in Rom verlässt. So sehr hatte sich der "Cavaliere" in all seinen Regierungsjahren als gewiefter Taktiker erwiesen, der sich auch aus aussichtsloser Lage noch befreien konnte.

Und dann gab es also einen Abgang praktisch durch die Hintertür, während seine Gegner mit Hupkonzerten, Freudenliedern und Spumante das von ihnen so lange herbeigesehnte politische Ende Berlusconis feierten.

Staatspräsident Napolitano ließ dem stark geschwächten Berlusconi keine andere Wahl, vor allem auch aus Angst vor einem Abrutschen des hoch verschuldeten Landes in den Bankrott. Auch in den letzten Stunden seiner Amtszeit hatte Berlusconi alle Hände voll zu tun. In seiner Regierungspartei PdL (Volk der Freiheit) gab es eine Revolte gegen die Neigung Napolitanos, dem parteilosen Wirtschaftsfachmann Monti die Führung einer Art Notregierung zwecks Umsetzung dringender Reformen anzudienen. Mühsam brachte er seine Partei dann doch auf Monti-Kurs. Berlusconis langjähriger Koalitionspartner Lega Nord will aber Neuwahlen und im Falle einer Regierung Monti in die Opposition gehen.

Aber könnte es Monti, der Wirtschafts- und EU-Experte aus Varese, denn schaffen, das nötige Vertrauen des Parlaments zu bekommen? Und wie lange wird er sich im Dschungel der italienischen Politik halten können? Die hohe Meinung, die die IWF-Chefin Christine Lagarde von dem ehemaligen EU-Wettbewerbs- und Binnenmarktkommissar hat, hilft nur wenig, wenn den Italienern jetzt schmerzhafte Reformen abverlangt werden. Etwa ein Dutzend Minister in einer Übergangsregierung, in den Schlüsselpositionen Fachleute und keine Politiker - so sehe Montis Konzept aus, berichteten die Medien.

Foto: Bouys/afp

Foto: Ferrari/dpa