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Israel macht mobil: Nahost wird wieder zum Pulverfass

Israel macht mobil: Nahost wird wieder zum Pulverfass

Gaza/Jerusalem. Nach den blutigsten Luftangriffen auf den Gazastreifen seit 40 Jahren hat Israel eine Boden-Offensive vorbereitet. Die Armee sei notfalls zum Einsatz von Bodentruppen bereit, sagte gestern Verteidigungsminister Ehud Barak. Die Regierung ordnete erstmals seit dem Libanon-Krieg vor über zweieinhalb Jahren die Mobilisierung von mehr als 6000 Reservisten an

Gaza/Jerusalem. Nach den blutigsten Luftangriffen auf den Gazastreifen seit 40 Jahren hat Israel eine Boden-Offensive vorbereitet. Die Armee sei notfalls zum Einsatz von Bodentruppen bereit, sagte gestern Verteidigungsminister Ehud Barak. Die Regierung ordnete erstmals seit dem Libanon-Krieg vor über zweieinhalb Jahren die Mobilisierung von mehr als 6000 Reservisten an. Zahlreiche Panzer wurden an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen, der von der radikal-islamischen Hamas kontrolliert wird. Als Vorbereitung auf eine lange Militäroperation bat Ministerpräsident Ehud Olmert die Bevölkerung um Geduld, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen.

Mit der Offensive namens "Gegossenes Blei" will Israel die fortgesetzten Raketenangriffe militanter Palästinenser auf das israelische Grenzgebiet unterbinden. Bei verheerenden Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben seit Samstagfrüh mehr als 300 Menschen. Mehr als 1000 weitere seien verletzt worden. Hunderte Palästinenser versuchten erfolglos, über den Grenzzaun nach Ägypten zu gelangen. Nach Angaben der israelischen Polizei schlugen gestern mehr als 40 Raketen auf israelischem Boden ein. Die Einschläge reichten dabei so weit auf israelisches Staatsgebiet wie nie zuvor. Ein Israeli wurde getötet.

Der UN-Sicherheitsrat forderte in einer Dringlichkeitssitzung den sofortigen Stopp aller Militäraktionen im Gazastreifen. Die EU verurteilte sowohl die israelischen Bombenangriffe als auch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Auch die USA mahnten Israel zur Zurückhaltung. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu rückte das israelische Bombardement sogar in die Nähe von Kriegsverbrechen. > Seite A3: Berichte, Seite A4: Meinung dpa/ddp

Hintergrund

Papst Benedikt XVI. hat eine sofortige Waffenruhe in Nahost gefordert. Beim traditionellen Angelusgebet verurteilte der Kirchenführer (Foto: dpa) gestern in Rom Gewalt "in all ihren Erscheinungsformen". Die internationale Gemeinschaft müsse alles daran setzen, Israelis und Palästinenser aus der Sackgasse der Gewalt herauszubringen. dpa