In der Offensive

Saarbrücken · Im Jahr 2002 sollte ein Gesetz das Geschäft mit dem Sex liberalisieren und die Situation der Prostituierten verbessern. Der Schuss ging nach hinten los. Die große Koalition will gegensteuern – und hat prominente Unterstützung.

Die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) hat ihn im vergangenen Herbst als eine der Ersten unterzeichnet - den von Alice Schwarzer initiierten "Appell gegen Prostitution". Die Frauenrechtlerin fordert darin auf lange Sicht, das Gewerbe komplett abzuschaffen. Bei der Argumentation spart sie nicht an großen Worten. "Auch die Abschaffung der Sklaverei galt vor gar nicht so langer Zeit noch als Utopie", schreibt Schwarzer. Die Debatte um die Prostitution in Deutschland hat seither enorm an Fahrt aufgenommen.

Das Rotlichtgewerbe ist ein Milliarden-Geschäft. Mehr als 14 Milliarden Euro setzt die Branche in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jährlich um. Schätzungen zufolge gibt es bundesweit rund 400 000 Prostituierte, deren Dienste täglich gut eine Million Männer in Anspruch nehmen. Im Saarland sollen bis zu 1000 Frauen in 110 Etablissements ihren Körper für Geld anbieten. 150 bis 200 davon gehen auf den Straßenstrich - wo Sex oftmals schon für etwa 20 Euro zu haben ist.

Union und SPD haben im November in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Prostitutionsgesetz von 2002 zu reformieren und die Regeln zu verschärfen. Im Gespräch sind unter anderem die Bestrafung von Freiern, die Zwangsprostituierte ausnutzen, verpflichtende Untersuchungen beim Gesundheitsamt und ein Verbot von sogenanntem Flatrate-Sex, bei dem Freier für eine feste Summe mit den Frauen machen können, was und so lange sie wollen.

Das unter der rot-grünen Koalition beschlossene Gesetz von 2002 liberalisierte die Sexarbeit. Prostitution sollte aus der Schmuddel-Ecke herausgeholt und ein Beruf werden wie jeder andere auch - mitsamt Sozialversicherung. Tatsächlich gemeldet sind aber weniger als 50 Prostituierte. Kritiker sagen, das Gesetz habe dem Geschäft mit Sex Tür und Tor geöffnet. Vor allem seit der Erweiterung der EU nach Osten verschleppten Menschenhändler massenweise Frauen hierher. Deutschland erwarb sich den zweifelhaften Ruf, das "größte Bordell Europas" zu sein.

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