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"Ich würde lügen auf Teufel komm' raus"

"Ich würde lügen auf Teufel komm' raus"

Schrobenhausen. Wenn Augsburgs Ex-Bischof Walter Mixa nicht schon zurückgetreten wäre, dann wäre dies nach dem "vorläufigen Abschlussbericht" des Ingolstädter Rechtsanwalts Sebastian Knott, wohl unausweichlich gewesen

Schrobenhausen. Wenn Augsburgs Ex-Bischof Walter Mixa nicht schon zurückgetreten wäre, dann wäre dies nach dem "vorläufigen Abschlussbericht" des Ingolstädter Rechtsanwalts Sebastian Knott, wohl unausweichlich gewesen. Mehr als 100 Minuten brauchte Knott gestern, um seine Erkenntnisse über Mixas Zeit als Schrobenausener Stadtpfarrer und Vorsitzender des örtlichen Waisenhaus-Kuratoriums aufzulisten. Etliche ehemalige Bewohner des Schrobenhausener Kinder- und Jugendhilfezentrums St. Josef haben Mixa eher als sadistischen Abgesandten der Hölle denn als der Nächstenliebe verpflichteten Gottesmann in Erinnerung.

Rechtsanwalt Knott hat keinen Zweifel daran, dass die Schilderungen der ehemaligen Heiminsassen im Wesentlichen zutreffen. Demnach verbreiteten Mixa und die Schwestern I. und N. unter den Kindern jahrzehntelang Angst und Schrecken. I. und N. hätten unbotmäßige Zöglinge schikaniert und geschlagen. In schweren Fällen habe eine besondere Strafe gewartet. "Warte nur, bis der Stadtpfarrer Mixa kommt", habe es gehießen. Und der kam den Angaben zufolge oft. Seine Züchtigungsmittel: die flache Hand, die Faust, ein Bambusstock und zumindest in einem Fall auch sein Hosengürtel. Ebenso schlimm wie die brutalen Schläge seien die Sprüche gewesen, die Mixa dabei abgelassen habe. "In dir ist der Satan, den werde ich dir schon austreiben", soll Mixa zwischen den Schlägen gedroht haben.

Vor drei Wochen, zum "Zwischenbericht" von Ermittler Knott, hatte der damals noch amtierende Bischof eingeräumt, es könne schon "die eine oder andere Watsch'n" gegeben haben. Kurz vorher noch hatte er jede Tätlichkeit strikt abgestritten. Wenn er in den Verdacht der Kindesmisshandlung kommen würde, soll Mixa einem Priester anvertraut haben, "ich würde lügen auf Teufel komm' raus". Und das tat er dann offenbar auch.

In wirtschaftlichen Angelegenheiten war Mixa zumindest unbedarft. Das legen die Ermittlungen zu den finanziellen Unregelmäßigkeiten der Waisenhaus-Stiftung zu Mixa-Zeiten nahe. In der Zeit, als Mixa Stadtpfarrer von Schrobenhausen und Vorsitzender des Waisenhaus-Kuratoriums war, wurde das Geld aus dem Fenster geworfen, zum Teil auch von dem inzwischen verstorbenen Heimleiter unterschlagen. Doch das alles hat juristisch keine Folgen mehr. Sowohl die Straftaten im Heim wie auch die finanziellen Unregelmäßigkeiten seien allesamt verjährt, stellte Rechtsanwalt Knott fest. Und auch zivilrechtliche Ansprüche könnten inzwischen nicht mehr geltend gemacht werden.

Eine Ehrenerklärung zu Gunsten Mixas hielt Knott jedoch parat: Keines der Opfer habe einen sexuellen Hintergrund für Mixas Taten behauptet. Damit decken sich Knotts Erkenntnisse mit denen der Ingolstädter Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen wegen Missbrauchsverdachts gegen Mixa eingestellt hat.

Meinung

Nichts begriffen

Von SZ-Mitarbeiter

Ralf Müller

Sicherlich wurden in der Zeit Mixas als Stadtpfarrer nicht die Maßstäbe an Erziehung angelegt wie heute. Eine Ohrfeige wurde als Erziehungsmittel akzeptiert. Aber Kinder derart zu drangsalieren, wie dies Mixa getan haben soll, das hätte auch damals womöglich den Staatsanwalt auf den Plan gerufen. Wenn auch nur die Hälfte der Vorwürfe stimmt, die Ermittler Knott gestern in Schrobenhausen auflistete, dann hat Mixa von dem Gebot der Nächstenliebe gar nichts verstanden. Ebenso schlimm ist Mixas Umgang mit der Wahrheit. Erst hat er jede Tätlichkeit kategorisch ausgeschlossen, dann verharmlosend "die eine oder andere Watsch'n" eingestanden. Das ist vor dem Hintergrund der gestrigen Erkenntnisse "auf Teufel komm' raus" gelogen. Ein weltliches Gericht, vor das Mixa wegen Verjährung nicht treten muss, würde von "fehlender Einsicht" sprechen.

Mixa soll Kinder schikaniert und geschlagen haben. Foto: dpa