„Ich hoffe, dass dies erst der Anfang war“

„Ich hoffe, dass dies erst der Anfang war“

Schwule Fußballer – das sollte ganz normal sein, findet Franz Josef Schumann, Präsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV). Mit ihm sprach SZ-Redakteurin Stefanie Marsch.

Herr Schumann, wie denken Sie über das Coming-out von Thomas Hitzlsperger?

Schumann: Es ist ein gutes Zeichen für den deutschen Fußball, dass sich ein so prominenter Spieler zu seiner Homosexualität bekennt. Ich hoffe, dass es eine Signalwirkung hat und andere die Angst vor diesem Schritt verlieren. Es wäre auch schön, wenn sich mal ein noch aktiver Spieler outen würde.

Warum ist Homosexualität denn im Fußball noch ein solches Tabu-Thema? Ist es zu sehr eine Macho-Sportart?

Schumann: Das würde ich auf jeden Fall verneinen. Ich bin mir sicher, dass weit mehr als 90 Prozent der Funktionäre, Spieler und Fans den Schritt von Thomas Hitzlsperger positiv bewerten. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass viele Betroffene Angst vor Ressentiments oder negativen Auswirkungen auf ihre Karriere haben. Fußball ist nicht das Theater, da geht es weniger vornehm zu. Und man kann bei tausenden Zuschauern nicht garantieren, dass nicht ein paar dabei sind, die dummes Zeug reden. Die gibt es immer, nicht nur im Bezug auf Homosexualität. Es ist sehr zu wünschen, dass Thomas Hitzlsperger nur den Anfang bildet und wir bei diesem Thema mehr Normalität erreichen.

Im Saarland ist ein Schiedsrichter auf sehr brutale Weise geoutet worden. Trotzdem hat der SFV die Berliner Erklärung "Gemeinsam gegen Homophobie" nicht unterzeichnet. Warum?

Schumann: Inhaltlich stehen wir voll hinter dieser Erklärung. Das haben wir auch an die Initiatoren geschrieben. Zudem hat der DFB stellvertretend für seine Mitgliedsverbände unterschrieben. Allerdings war mit der Erklärung die Bitte verbunden, finanziell etwas zu tun, zum Beispiel einen Wagen beim Christopher Street Day zu unterstützen. Und das ist nicht Sache eines Fußballverban des.