"Ich fühle mich als Gewinner"

Heimlichen Abweichlern in den eigenen Reihen werfen Parteien gemeinhin Verrat vor. Lieben Sie seit gestern den Verrat?Maas: Nein. Ich glaube, das Parlament hat lediglich sein Recht beansprucht, den Ministerpräsidenten zu wählen. Man hatte in den letzten Wochen in Politik und Medien den Eindruck, dass Annegret Kramp-Karrenbauer schon längst im Amt ist

Heimlichen Abweichlern in den eigenen Reihen werfen Parteien gemeinhin Verrat vor. Lieben Sie seit gestern den Verrat?Maas: Nein. Ich glaube, das Parlament hat lediglich sein Recht beansprucht, den Ministerpräsidenten zu wählen. Man hatte in den letzten Wochen in Politik und Medien den Eindruck, dass Annegret Kramp-Karrenbauer schon längst im Amt ist. Ministerpräsidenten werden aber nicht auf CDU-Parteitagen und Koalitionsausschüssen bestimmt, sondern vom Parlament. Und dieses Recht haben die Abgeordneten in aller Freiheit wahrgenommen. Das war eine Lehrstunde.

Ihre Kandidatur kam überraschend. Hatten Sie konkrete Hinweise, dass Sie Chancen haben?

Maas: Das Ergebnis konnte ich nicht vorhersehen. Aufgrund des Zustandes der Koalition habe ich mir aber gesagt: Die haben nicht nur kein politisches Konzept, die haben auch nicht die Mehrheiten, die sie vorgeben. Da kann man entweder zuschauen und hoffen, dass bei denen was schief läuft. Oder man geht mit offenem Visier und eigenem Kandidaten in so eine Abstimmung und sagt: Wir haben eine Alternative, nicht nur politisch, sondern auch personell. Feiglinge und Taktierer gibt es in der Politik schon genug. Das Ergebnis von gestern gibt mir recht: Ich fühle mich auch als Gewinner des Tages.

Was meinen Sie: Wer waren die Abweichler - und warum?

Maas: Beides können nur die Betroffenen klären. In der Wahlkabine ist jeder allein. Tatsache ist aber, dass die Koalition selbst in Fragen des reinen Machterhalts keine stabile Mehrheit mehr hat, und das will bei denen was heißen.

War Ihre Kandidatur gestern auch die Botschaft an Ihre Partei: Ich bin der SPD-Kandidat bei der Wahl 2014?

Maas: Für mich war der gestrige Tag eine große Ermunterung. Ich will die SPD wieder zur stärksten politischen Kraft im Land machen.

Haben Sie nach der Überraschung im ersten Wahlgang schon überlegt, wie Sie als Ministerpräsident eine Regierung bilden können?

Maas: Darüber muss man sich schon vor einer Kandidatur Gedanken machen. Wäre ich gewählt worden, hätte ich versucht, eine neue Landtags-Mehrheit für eine Regierung zu finden. Wäre das nicht zustande gekommen, wären nur Neuwahlen geblieben.

Sehen Sie Annegret Kramp-Karrenbauer nun beschädigt?

 SPD-Chef Heiko Maas war mit seinem Wahlergebnis im ersten Wahlgang sichtlich zufrieden. Foto: b&b
SPD-Chef Heiko Maas war mit seinem Wahlergebnis im ersten Wahlgang sichtlich zufrieden. Foto: b&b

Maas: Sie hätte sich den Start sicher anders vorgestellt. Hier ist eine Gegenkandidatur aktiv aus dem Regierungslager unterstützt worden. Das zeigt den verheerenden Zustand der Koalition.