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Hohes Armutsrisiko für Alleinerziehende

Hohes Armutsrisiko für Alleinerziehende

Wer gilt als Alleinerziehender? Die Statistiker verstehen darunter eine Familienform, bei der mindestens ein minderjähriges Kind mit nur einem Elternteil im Haushalt zusammen lebt. Ob es sich um ein leibliches, ein Pflege- oder ein Adoptivkind handelt, spielt keine Rolle. Auch kann die Mutter oder der Vater eine neue Partnerschaft eingegangen sein

Wer gilt als Alleinerziehender? Die Statistiker verstehen darunter eine Familienform, bei der mindestens ein minderjähriges Kind mit nur einem Elternteil im Haushalt zusammen lebt. Ob es sich um ein leibliches, ein Pflege- oder ein Adoptivkind handelt, spielt keine Rolle. Auch kann die Mutter oder der Vater eine neue Partnerschaft eingegangen sein. Dieser Partner lebt aber nicht mit im Haushalt.Wie viele Alleinerziehende gibt es?Die klassische Familie ist auf dem Rückmarsch. Im Vorjahr war fast jede fünfte (19 Prozent) der 8,2 Millionen Familien mit Kindern unter 18 eine Alleinerzieher-Familie. Noch Mitte der 90er Jahre galt nur jede siebte Familie (14 Prozent) als alleinerziehend. Damals gab es 1,3 Millionen Alleinerziehende. Heute sind es 1,6 Millionen.Wie hoch ist der Männeranteil? Bei nur jeder zehnten Ein-Eltern-Familie ist der alleinerziehende Elternteil männlich. Seit Mitte der 90er Jahre ist der Anteil der alleinerziehenden Väter von 13 auf zehn Prozent zurück gegangen. Alleinerziehen ist also ganz klar "Frauensache".Gibt es Ost-West-Unterschiede? Ja, und zwar sehr deutliche. Mit 27 Prozent liegt der Anteil der Alleinerziehenden im Osten klar über dem im Westen (17 Prozent). Mehr als jedes zweite Kind (58 Prozent) wird im Osten unehelich geboren. Im alten Bundesgebiet ist es nur jedes vierte. Auch sind die Alleinerziehenden im Osten durchschnittlich drei Jahre jünger als im Westen. Das erklärt auch ein Stück, dass die Hälfte der Alleinerziehenden im Osten noch nie verheiratet war. Dagegen sind zwei Drittel der Alleinerziehenden in den alten Ländern geschieden oder leben getrennt vom Ehepartner. Wie finanziert sich der Lebensunterhalt? Auf den ersten Blick gibt es kaum einen Unterschied zwischen alleinerziehenden Müttern und Müttern in Paarfamilien: Jeweils rund 60 Prozent gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Der Gegensatz zeigt sich im Umfang des Jobs: Mit 42 Prozent arbeiten alleinerziehende Mütter wesentlich häufiger in Vollzeit als Mütter in Paarfamilien (27 Prozent). Jede fünfte Alleinerziehende arbeitet nur deshalb in Teilzeit, weil sie keine Vollzeitstelle findet oder mangels Betreuungsmöglichkeit für das Kind darauf verzichten muss.Haben Alleinerziehende ein hohes Armutsrisiko? Eindeutig ja. Für 31 Prozent der Alleinerzieher-Familien bilden Hartz IV oder Sozialhilfe die Haupteinkommensquelle. Zum Vergleich: Lediglich sechs Prozent der Mütter in Paarfamilien sind auf derlei staatliche Transfers angewiesen. In Geld ausgedrückt heißt das: 31 Prozent der Alleinerziehenden kommen auf ein monatliches Einkommen von weniger als 1100 Euro. Nur sieben Prozent stehen monatlich mehr als 2600 Euro zur Verfügung.Wie viele Alleinerziehende sind "Aufstocker"? Unter den 1,37 Millionen Personen, die wegen ihres geringen Erwerbseinkommens zusätzlich Anspruch auf Hartz IV haben, sind nach Angaben der Arbeitsagentur rund 213 000 Alleinerziehende (Vorjahr: 314 000). Meinung

Ohne Lobby

Von SZ-KorrespondentStefan Vetter Wenn in Deutschland von Armut die Rede ist, dann stehen in aller Regel Migranten oder Rentner im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Alleinerziehenden bleiben zumeist unerwähnt. Aus einem simplen Grund: Mütter und Väter, die sich oft unter schwierigsten materiellen Bedingungen allein um ihren Nachwuchs kümmern, haben keine lautstarke Lobby. Zwar hat die Bundesregierung in letzter Zeit häufig erklärt, die Verbesserung der Lebenslage von Alleinerzieher-Familien zu ihrem Schwerpunkt zu machen. Doch die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass hier eine Menge zu tun bleibt. Mittlerweile wachsen rund 2,2 Millionen Kinder in Ein-Eltern-Familien auf. Tendenz steigend. Da kann es einer Gesellschaft nicht gleichgültig sein, wenn beinahe die Hälfte dieser Kinder schon frühzeitig mit dem Stigma Hartz IV leben muss.