Hoffnungsschimmer für das geteilte Zypern

Hoffnungsschimmer für das geteilte Zypern

Kann der Zypern-Konflikt gelöst werden? Die Vereinten Nationen sind optimistisch und sprechen von einer historischen Chance. Heute gehen die Gespräche in die entscheidende Phase. Analysten sind zurückhaltend.

Zypern ist seit mehr als vier Jahrzehnten geteilt. Nun gibt es einen Silberstreif am Horizont, dass dieser Konflikt mit der Wiedervereinigung der drittgrößten Mittelmeerinsel endlich beigelegt werden kann. Die Konfliktparteien kommen heute zu neuen Gesprächen in der Schweiz zusammen.

Die Vereinten Nationen (UN) und ihr neuer Generalsekretär António Guterres sind vor dem Genfer Treffen optimistisch: Die politischen Führer der beiden Volksgruppen, der griechischen und türkischen Zyprer, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, haben 20 Monate lang verhandelt und sind sich dabei in zahlreichen Fragen näher gekommen. Die Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit von griechischen und türkischen Zyprern im jeweils anderen Bundesstaat scheint geregelt zu sein.

Analysten und viele Diplomaten sind eher pessimistisch: Die Verhandlungen haben jetzt den Punkt erreicht, wo die beiden Konfliktparteien Karten präsentieren sollen. Darauf müssen ihre Vorstellungen für den Grenzverlauf zwischen den beiden Bundesstaaten abgebildet sein, die die Bundesrepublik Zypern bilden sollen. Und da liegt das erste große Problem: Akinci will, dass möglichst wenige türkische Zyprer nach einer Rückgabe von Territorium an die griechischen Zyprer umgesiedelt werden müssen. Anastasiades jedoch möchte erreichen, dass möglichst viele griechische Zyprer in die Gebiete zurückkehren können, aus denen sie oder ihre Vorfahren 1974 vor den vorrückenden türkischen Truppen fliehen mussten.

Am Donnerstag sollen hochrangige Vertreter der Garantiemächte Türkei, Griechenland und Großbritannien mit den griechischen und türkischen Zyprern unter UN-Schirmherrschaft zu einer Fünfer-Konferenz zusammenkommen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will als Beobachter dabei sein. Dabei muss der Gordische Knoten zerschlagen werden: Die türkischen Zyprer und Ankara bestehen darauf, dass die Türkei Garantiemacht bleibt, wie sie es seit der Gründung des Staates 1960 war. Für die griechischen Zyprer und Athen sind Garantiemächte ein Anachronismus.

Umfragen zeigen, dass auch die zwei Volksgruppen sich in dieser Frage nicht einig sind. Knapp 90 Prozent der türkischen Zyprer möchten, dass die Türkei Garantiemacht bleibt. Fast genauso viele griechische Zyprer wollen nach Umfragen genau das Gegenteil. Selbst wenn sich die Politiker einigen sollten, ist die Zypern-Frage damit also nicht gelöst. Denn die Volksgruppen müssen über das Lösungspaket informiert werden und dieses in Volksabstimmungen billigen.

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