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Höhenflug dank Dschungel-Fieber

Höhenflug dank Dschungel-Fieber

Berlin. Jeden Tag Gesprächsthema, jeden Tag ein Rekord. Der private Fernsehsender RTL ist in seinem Aufwärtstrend nicht zu stoppen. Schon im Herbst erklomm die Samstagabend-Castingshow "Das Supertalent" mit Dieter Bohlen und seinen rotzfrechen Sprüchen neue Rekordmarken

Berlin. Jeden Tag Gesprächsthema, jeden Tag ein Rekord. Der private Fernsehsender RTL ist in seinem Aufwärtstrend nicht zu stoppen. Schon im Herbst erklomm die Samstagabend-Castingshow "Das Supertalent" mit Dieter Bohlen und seinen rotzfrechen Sprüchen neue Rekordmarken. Jetzt stellt die Dschungelshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" die Konkurrenz in den Schatten. Der Höhenflug des Senders ist offenbar nicht zu stoppen. Aber woran liegt das?

Auf den ersten Blick ist der Erfolg der RTL-Shows verwunderlich. "Das Supertalent" war bereits in der vierten Staffel, das Dschungelcamp läuft jetzt im fünften Durchgang - im Grunde nichts Neues für den Zuschauer. Aber diese Statistikbetrachtung trügt. Denn das ältere Publikum, das vor vielleicht fünf Jahren noch mit leicht rümpfender Nase über Casting und Dschungel herzog, hat sich inzwischen an die RTL-Spektakel gewöhnt. Und ihre inzwischen volljährigen Kinder sind in die RTL-Show-Tradition hineingewachsen.

RTL hat zwar mit den Sendungen keine eigenen Ideen umgesetzt, denn es handelt sich um Lizenzware. Aber die Shows sind auf den deutschen Markt exakt zugeschnitten und inzwischen kaum merklich, aber gezielt so perfektioniert, dass die Akzeptanz breiter werden musste.

Zuschauer wachsen hinein

Und der Rest? Wo bleibt die öffentlich-rechtliche Showkompetenz? ARD und ZDF, die mit ihren Shows mit Kreativ-Avantgardisten wie Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff oder Hans Rosenthal einst Straßenfeger produzierten (auch weil sie größtenteils konkurrenzlos waren), sind aus dem Fernsehverstand der 90er Jahre nicht herausgewachsen, scheint es. "Wetten, dass ...?" könnte zum Auslaufmodell werden, wenn Thomas Gottschalk eines Tages geht. Der "Musikantenstadl" ist die quotenstärkste ARD-Samstagabendshow, aber bereits 30 Jahre alt. Viele Shows, egal ob von Andy Borg, Jörg Pilawa oder Carmen Nebel moderiert, leiden im öffentlich-rechtlichen TV zwar nicht unter schwachen Quoten, vier, fünf Millionen sind immer dabei. Aber es sind schwindende Schichten, ältere Menschen, der Nachwuchs ist schwach vertreten. Gerade der "Musikantenstadl" oder "Willkommen bei Carmen Nebel" (ZDF) sind Sendungen, bei denen der Marktanteil bei den Menschen unter 50 oft nur bei zwei oder drei Prozent liegt. In den Dschungel stürzen sich im Segment der Jungen hingegen etwa 40 Prozent.

Nun lautet der öffentlich-rechtliche Auftrag zwar, ein Programm für alle zu machen, doch wie viele vergebliche Versuche hat es bereits gegeben, jüngere Zuschauerschichten für ARD und ZDF zu begeistern? Die bleiben bei RTL hängen oder auch bei Stefan Raab und seinen tollkühnen Eigenentwicklungen bei ProSieben - auf den und seine Schaffenskraft hofft nun auch die ARD beim Eurovision Song Contest. Was würden wohl Kulenkampff oder Frankenfeld dazu sagen?