Herzogin Kate verzaubert Luxemburg

Kate zu Besuch im Großherzogtum : Herzogin der Herzen verzaubert Luxemburg

Kate meistert ersten Besuch im Großherzogtum mit Charme und Leichtigkeit. Royal-Fans kommen dabei ihrem Star ganz nah.

Die Kleineren, die hinter den Absperrungen stehen, steigen auf die Zehenspitzen, als die schwarze Limousine vor dem Place Clairefontaine ankommt. Seit rund einer Stunde warten die meisten hier, um sie zu sehen, den Star des Tages. Ein Bodyguard macht die Autotür auf und schon steht sie da in ihrem schlichten hellblauen Kleid: Kate, die "Herzogin der Herzen". Mit strahlendem Lächeln winkt sie den Menschen in den anliegenden Straßen und oben an den Fenstern zu. Die Charme-Offensive kommt gut an. Die Luxemburger sind gesittet. Bis auf ein paar englische Fotografen, die sich aufregen, wenn jemand in ihr Blickfeld läuft, geht es harmonisch zu. Es wird nicht geschrien, dafür aber frenetisch geklatscht. Auch die Union-Jack-Fähnchen, die in den vergangenen Stunden von aufmerksamen Botschaftsmitarbeitern an die Zuschauer verteilt wurden, werden fleißig geschwenkt.

Selbstsicher und natürlich zugleich gleitet Kate in ihrem beigefarbenen High Heels über die Pflastersteine des Place Clairefontaine. Sie kniet sich zu dem dreijährigen Teo Schleck (Sohn des Radfahrers Andy Schleck), der ihr einen Strauß gelbe Blumen überreichen soll, sich aber nicht mehr ganz traut. Sie schüttelt Hände, verteilt Lächeln, jede Geste sitzt. Niemand würde meinen, dass sie heute erst zum zweiten Mal überhaupt ohne ihren Mann Prinz William im Auftrag der Queen auf Auslandsreise unterwegs ist. Anlass ihrer Reise sind die Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Unterzeichnung des Londoner Vertrages, der die Unabhängigkeit Luxemburgs besiegelte.

Nach einem kurzen Besuch im Museum für zeitgenössische Kunst Mudam besucht die Herzogin von Cambridge auf dem Place Clairefontaine Sportler. Begleitet von Luxemburgs Premier Xavier Bettel trifft Kate auf Kim Kirchen und Frank Schleck, zwei Legende des Radsports im Großherzogtum. Doch auch der Nachwuchs darf nicht fehlen. Kate tauscht ein paar Wörter mit Mitgliedern des nationalen Jugend-Indoorradteams. Dieses Jahr fährt die Tour de France über Luxemburg, daran erinnert Sportsminister Romain Schneider, als er im Beisein von weiteren Regierungsmitgliedern Kate auf dem Place empfängt. Sowohl das Vereinigte Königreich als auch Luxemburg haben Meister im Radsport herausgebracht, so Schneider weiter über die Gemeinsamkeiten der beiden "cycling nations".

Dann begibt sich Kate unter ein Vorzelt, wo Grundschulkinder eigene Radtrikots entwerfen. Sie setzt sich neben die Kleinen auf eine Bank. Zusammen begutachten sie die ersten Zeichnungen, sie zeigt etwas mit dem Finger, der Junge neben ihr lacht. Die 35-Jährige, die selbst mit George (fast 4) und Charlotte (2) zwei kleine Kinder zu Hause hat, kennt keine Berührungsängste. Hinter ihr wird währenddessen fleißig geknipst.

Die Royal-Fans, die sich bereits vor Stunden den perfekten Platz gesichert haben, erleben ihr Idol jetzt ganz nah, aus kaum drei Metern Entfernung. Der Jugendchor des luxemburgischen Musikkonservatoriums stimmt mehrere englische Lieder an. Die rund 40 Jugendlichen, die bei den Proben am späten Vormittag noch ziemlich gelangweilt aussahen, sind plötzlich hellwach und singen sehr konzentriert.

Mit einem Trumpf will der Luxemburger Regierungschef bei seinem Star-Gast aus London noch punkten. Stolz präsentiert Bettel eine sechsstöckige Torte, mit grünen, gelben und roten Fahrrädern dekoriert. Oben drauf, der "Bam Kuch". Eine süße Spezialität, die in Luxemburg traditionell zur Kommunionsfeier serviert wird. Dieses Prachtexemplar kommt direkt aus der Konditorei Oberweis, der Hoflieferant des Großherzoges. Doch obwohl der Kuchen von der Pressetribüne aus sehr lecker aussieht und Tom Oberweis persönlich ein Stück abschneidet, wird nicht genascht. Ob aus Zeitmangel oder um die gute Figur nicht zu gefährden?

Keine Zeit darüber nachzudenken, denn der Ehrengast ist auf dem Absprung. Dicht gefolgt von dem protokollarischen Tross, zudem auch zwei Männer mit geschlossenen Regenschirmen unter den Armen gehören. Gebraucht werden sie nicht, für Kates Besuch herrscht auf dem Place Clairefontaine royales Wetter.

Hinter den Absperrungen werden die Smartphones nach vorne gestreckt, die letzten Bilder geschossen. "Sie ist so hübsch", meint eine Sängerin aus dem Chor. "Ich kann immer noch nicht fassen, dass sie hier bei uns in Luxemburg ist." Fotos durfte sie während ihres Auftrittes zwar nicht machen. Ihre Mutter sei aber zum Fotografieren gekommen, so dass auch sie eine Erinnerung an diesen ganz besonderen Tag haben wird.

Auch die zahlreichen Polizisten, die gegen Mittag mit skeptischem Blick ihre Runden drehten, scheinen entspannt. Keine Zwischenfälle, alles ist gut gelaufen. Es habe aber viel mehr Presse gegeben als für andere Staatsbesuche, merkt ein Beamter schmunzelnd an. Als die letzten Royal-Fans ihre mitgebrachten Hocker zusammenklappen, ist Kate schon längst auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt. Ein paar Straßen weiter warten im Palais bereits Großherzog Henri und seine Frau Maria Teresa auf den charmanten Gast.