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Hartmann: Partei muss disziplinierter werden

Hartmann: Partei muss disziplinierter werden

Saarbrücken. Keine 30 war Christoph Hartmann, als er im Januar 2002 Chef der Saar-FDP wurde. "Hoffnungsträger" nennt man solche Menschen gern. Und damals mussten die Liberalen hoffen. 1200 Mitglieder hatten sie noch. 1994 war man mit 2,1 Prozent aus dem Landtag geflogen, bei der Wahl '99 ging's mit 2,6 Prozent kaum besser. Gut 170 000 Euro Schulden drückten

Saarbrücken. Keine 30 war Christoph Hartmann, als er im Januar 2002 Chef der Saar-FDP wurde. "Hoffnungsträger" nennt man solche Menschen gern. Und damals mussten die Liberalen hoffen. 1200 Mitglieder hatten sie noch. 1994 war man mit 2,1 Prozent aus dem Landtag geflogen, bei der Wahl '99 ging's mit 2,6 Prozent kaum besser. Gut 170 000 Euro Schulden drückten. In dieser Lage sollte es Hartmann, bis dato Generalsekretär, richten. Die Delegierten des Hüttigweiler Parteitags wussten ihre Hoffnung aber zu dosieren: 68,2 Prozent der Stimmen bekam der junge Vorsitzende. Übrigens: Ein anderer, der Hartmann jetzt beim Sonderparteitag beerben könnte, erhielt damals satte 95,3 Prozent: Jorgo Chatzimarkakis wurde Generalsekretär. Knapp neun Jahre später zählt die FDP 1850 Mitglieder und ist, so Hartmann, schuldenfrei. Seit 2004 sitzt man wieder im Parlament. Eine rundum positive Bilanz den Zahlen nach. "Da bin ich auch ein bisschen stolz", sagt der Noch-Parteichef, "auch wenn ich die Partei gerne in einer anderen Situation übergeben hätte." Was diese Zahlen nicht sagen: Unumstritten war Hartmann nicht. Bitter etwa sein Resultat beim Parteitag vor zwei Jahren. Schmale 58 Prozent bekam er da. Die Basis rumorte: Zu vieles werde im exklusiven Kreis um Hartmann ausbaldowert. Zugleich monierte man Führungsschwäche des Chefs. Ein Grollen, das nie abebbte, zuletzt übermächtig wurde. Weil Hartmann in der Affäre um FDP-Fraktionschef Horst Hinschberger lange nicht einschritt: Der hatte gegen den Vorstand der liberalen Stiftung "Villa Lessing" Strafanzeige erstattet, darunter auch gegen den FDP-Ehrenvorsitzenden Werner Klumpp. Durchgreifen sei in einer Partei mit vielen Ehernamtlichen und "wenigen, die von der Politik leben", schwer, resümiert Hartmann. Sagt aber auch: "Die Partei muss disziplinierter werden." Ob er sich ohne Partei-Spitzenamt als Wirtschaftsminister halten kann? Hartmann glaubt, dass seine "gute Arbeit" überzeugt. Seine Parteiamts-Ambitionen sind derzeit eher bescheiden: "Kann sein, dass ich zum Vorstand kooptiert (zugewählt) werde, das muss man mal sehen." oli