Harte US-Kritik an Merkel-Kurs gegenüber Putin

Berlin · Europa blickte gestern gebannt nach Moskau, wo Angela Merkel und François Hollande mit Wladimir Putin um Frieden in der Ukraine rangen. Aus den USA kamen scharfe Töne gegen Merkels Kurs.

Begleitet von heftiger Kritik von konservativer Seite in den USA haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande am Freitagabend in intensiven Gesprächen mit Russlands Präsident Wladimir Putin einen Ausweg aus der sich zuspitzenden Ukraine-Krise gesucht. Dabei hielten ukrainische und russische Experten eine Erweiterung des so genannten Minsker Friedensplans für möglich. Demnach könnten sich die ukrainische Regierung und die Separatisten auf den aktuellen Frontverlauf in der Ostukraine als Waffenstillstandslinie einigen. Die Separatisten hatten in den vergangenen Monaten bei Kämpfen Gebietsgewinne verzeichnet. Auch ein Gefangenenaustausch und ein möglicher Nato-Beitritt der Ex-Sowjetrepublik waren als Themen genannt worden.

Merkel und Hollande waren gegen 18 Uhr Moskauer Zeit auf dem Regierungsflughafen Wnukowo-2 gelandet. Beobachter stellten sich auf einen langen Abend ein.

Kurz vor dem Treffen hatte der führende Außenpolitiker der republikanischen Kongressmehrheit in den USA, Senator John McCain , die Kanzlerin scharf angegriffen. Der Vorsitzende des Senats-Streitkräfteausschusses verglich Merkels Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine in einem ZDF-Interview mit der so genannten Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg. "Ihr Verhalten erinnert mich an die Politik der 30er Jahre", sagte McCain. "Wenn man sich die Haltung der deutschen Regierung anschaut, könnte man meinen, sie hat keine Ahnung oder es ist ihr egal, dass Menschen in der Ukraine abgeschlachtet werden."

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU ) wies McCains Kritik an der Kanzlerin scharf zurück. "Das Gegenteil ist richtig", erwiderte die Ministerin gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Mehr Waffen würden in der Ostukraine nur mehr Leid stiften." >