Hans im Glück

Der Soldat Hans Flindt aus Usedom hatte großes Glück: Er überlebte die blutigen Schlachten in der Normandie und fand dort die Liebe seines Lebens.

Leicht vergilbt ist das Foto, das einen Soldaten in Uniform zeigt - groß und schlank, die Kappe tief ins Gesicht gezogen. Hans Flindt aus Usedom war 17, als er in den Krieg geschickt wurde, fernab der Heimat, nach Nordwestfrankreich. Heute, 70 Jahre später, lebt Flindt noch immer im ehemaligen Feindesland und erinnert sich an den den 6. Juni 1944. "Ich schob in einem Dorf Wache bei meiner Einheit. Als wir die Nachricht hörten, sind wir Richtung Küste gefahren."

Am 9. Juni erreichten er und seine Kameraden Saint-Lô. Die einst wunderschöne Stadt lag bereits in Schutt und Asche, bombardiert von den Alliierten. Wochenlang wurde in und um Saint-Lô herum gekämpft, bis es den Amerikanern Ende Juli überraschend gelang, die Front zu durchbrechen. Wenig später kesselten sie gemeinsam mit Briten, Kanadiern, Polen und Franzosen zehntausende deutsche Soldaten ein. Die Falle war zugeschnappt, und Hans Flindt war mittendrin.

Doch er hatte Glück. Während Tausende umkamen, kam er nur in Gefangenschaft: Kanadische Truppen setzten ihn fest, am 21. August 1944. Einen "Albtraum aus einer anderen Welt" nennt Flindt diesen Tag. Und als er später, im September 1945, an die Franzosen übergeben wurde, lernte er, was es heißt, Hunger zu haben. Sie hätten alles verschlungen, was sie kriegen konnten, "auch Katzen", sagt er.

Flindt schlug sich durch, arbeitete im Steinbruch und als Elektriker auf umliegenden Höfen - in Montabard etwa, im Hinterland von Caen. Dort versorgte ihn eine Bäuerin mit Essen. Und dann war da noch eine der Töchter, Marie-Thérèse. Die junge Frau gefiel ihm. Und während die meisten Kameraden in die Heimat zurückkehrten, blieb Hans Flindt - trotz aller Anfeindungen.

1949 heirateten die beiden und ließen sich unweit des Hofes nieder, wo sie sich kennengelernt hatten. "Der Zufall hat es so gewollt, dass ich hier bleiben würde. Mit meiner Frau habe ich schon damals Europa gebaut", sagt Flindt. Inzwischen ist seine Frau verstorben und Flindt mit fast 90 nicht mehr bei bester Gesundheit. Doch ihre Geschichte und ihre Liebe haben sie ihren sechs Kindern weitergegeben, von denen die Älteren die Sprache des Vaters sprechen - deutsch-französische Aussöhnung im Herzen der ehemaligen Schlachtfelder.