Hannelore Kraft führt SPD aus einem tiefen Tal

Düsseldorf. Noch vor Monaten war sie als blass, unerfahren und als "Frau, die sich nicht traut" ("Süddeutsche Zeitung") beschrieben worden: Nun steht Hannelore Kraft (Foto: dpa) kurz vor ihrem großen Ziel. Sie will die erste Ministerpräsidentin in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen werden

Düsseldorf. Noch vor Monaten war sie als blass, unerfahren und als "Frau, die sich nicht traut" ("Süddeutsche Zeitung") beschrieben worden: Nun steht Hannelore Kraft (Foto: dpa) kurz vor ihrem großen Ziel. Sie will die erste Ministerpräsidentin in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen werden. Die Chefin der NRW-SPD ist nun die große Hoffnungsträgerin der Sozialdemokraten, die 2005 nach 39 Jahren an der Macht im bevölkerungsreichsten Bundesland abgewählt worden waren. Nach dem Debakel bei der Bundestagswahl 2009 sollte Kraft ein Comeback für die gesamte SPD schaffen. Die 48-jährige politische Spätstarterin sollte die Scharte der Sozialdemokraten in der alten Hochburg der Partie auswetzen - das scheint ihr gelungen.

Hannelore Kraft kommt aus einer Arbeiterfamilie im Ruhrgebiet. Nach dem Abitur machte sie eine Banklehre, bevor sie in den 80er Jahren Wirtschaft in Duisburg und London studierte. "Ich habe dort eine Gesellschaft erlebt, in der die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderging als bei uns. Ich habe in London Leute auf der Straße verhungern sehen", sagte sie einmal. Die Diplom-Ökonomin arbeitete als Unternehmensberaterin. Erst 1994 trat sie in die SPD ein - als Reaktion auf die Niederlage der SPD bei der Kommunalwahl in ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. Rasch stieg sie in der Partei auf. 2000 zog Kraft erstmals in den Landtag ein. Nachdem der mittlerweile verstorbene Europaminister Detlev Samland wegen einer Steueraffäre zurücktreten musste, wurde sie im Frühjahr 2001 vom damaligen SPD-Regierungschef Wolfgang Clement zum Nachfolger ernannt. Unter Clements Nachfolger Peer Steinbrück wurde Kraft 2002 Wissenschaftsministerin.

Nach der historischen Wahlschlappe der NRW-SPD wurde sie 2005 Fraktionsvorsitzende im Landtag. Anfang 2007 übernahm sie auch den Landesvorsitz - und wurde zur Herausforderin von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ausgerufen. Krafts Aufstieg wurde auch dadurch erleichtert, dass sie weder zum rechten noch zum linken SPD-Flügel zählt. ddp

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