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"Hamburger Deern" mit viel Liebe zur Natur

"Hamburger Deern" mit viel Liebe zur Natur

Hamburg. Für Schriftsteller Siegfried Lenz ist sie "an allem schuld". Ihretwegen könne er beim Spazierengehen nicht mehr gedankenlos Blumen platttreten, sondern gehe mit wachem Auge durch die Landschaft. Die Rede ist von Hannelore Schmidt, genannt Loki

Hamburg. Für Schriftsteller Siegfried Lenz ist sie "an allem schuld". Ihretwegen könne er beim Spazierengehen nicht mehr gedankenlos Blumen platttreten, sondern gehe mit wachem Auge durch die Landschaft. Die Rede ist von Hannelore Schmidt, genannt Loki. Die Frau von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) und wohl bekannteste Naturschützerin Deutschlands dürfte nicht nur bei ihrem Freund Lenz den Blick für die Vielfalt und Schönheit der Pflanzenwelt geweckt haben. Heute feiert die ehemalige Lehrerin ihren 90. Geburtstag. Ihre Liebe zur Natur zeigte sich schon sehr früh. Angeblich sei nach "Mama" und "Papa" das dritte Wort, das ihr über die Lippen kam, ein Pflanzenname gewesen, erzählt sie in ihrem jüngsten Buch - nur habe sie "Frauenmantel" noch nicht aussprechen können und nach Erzählungen ihrer Eltern "Frau Mantel" gesagt. Loki Schmidt wuchs in Hamburg als Ältestes von drei Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Mangels Kinderbüchern wurde das 15-bändige Pflanzenlexikon zur Lieblingslektüre der kleinen Hannelore Glaser. Ihr Berufswunsch Biologin scheiterte nach dem Abitur 1937 jedoch an den Studiengebühren. Sie nahm ein Lehramtsstudium auf, das sie 1940 abschloss. Im gleichen Jahr beschlossen Helmut Schmidt und sie zu heiraten, bevor er an die Ostfront musste. Kennen gelernt hatten sich beide bereits als Zehnjährige bei der Einschulung ins Gymnasium und schnell Freundschaft geschlossen. Helmut war damals einer der Kleinsten in der Klasse, sie dagegen groß gewachsen. Die beiden diskutierten viel, konnten sich laut Loki Schmidt "gut zanken". Und schon damals begannen beide mit dem Rauchen - was sie beibehalten haben. Das Paar heiratete 1942, zwei Jahre später gebar die "Hamburger Deern" einen Sohn - "Moritzelchen" gerufen - der im Alter von sieben Monaten starb. Dieser Moment sei unauslöschlich, aber "gehört zum Leben dazu, und das Leben geht weiter", resümiert Loki Schmidt, der Klagen und Jammern auch angesichts heutiger gesundheitlicher Malaisen fern liegen. Anzupacken liegt ihr eher. So brachte sie in den ersten Nachkriegsjahren mit ihrem knappen Lehrergehalt auch ihren heimgekehrten Mann durch und ermöglichte ihm das Studium. 1947 kam Tochter Susanne zur Welt. Als Helmut Schmidt 1953 das erste Mal in den Bundestag gewählt wurde, begann auch für seine Frau ein neuer Lebensabschnitt, als "Angeheiratete der Politik", wie sie es selbst einmal formulierte. Nach rund drei Jahrzehnten als Lehrerin in Hamburg folgte Loki Schmidt ihm 1969 schließlich nach Bonn, wo sie selbstbewusst und unprätentiös die öffentlichen Verpflichtungen zunächst als Frau eines Bundesministers und von 1974 bis 1982 als Kanzlergattin wahrnahm. Sie nutzte gern die wachsende Aufmerksamkeit für ihre Person, um ihr Anliegen - den Naturschutz - unermüdlich voranzutreiben. Sie ignorierte diejenigen, die sich anfangs über "die Schmidt mit ihren Blümchen" lustig machten, und gründete Ende der 70er eine Naturschutzstiftung, die unter anderem jährlich die "Blume des Jahres" kürt. So freut Loki Schmidt sich auch zu ihrem 90. Geburtstag besonders über Blumen: Dass ihr Naturbegeisterte aus ganz Deutschland zu diesem Anlass 90 Gärten und Parks widmen wollen, bezeichnet sie als ihr "schönstes" Geschenk. Gestern wurde die für heute geplante Geburtstagsfeier wegen einer "kurzfristigen Erkrankung" der Jubilarin abgesagt. "Sie ist an allem schuld."Schriftsteller Siegfried Lenz über den Ursprung seiner Liebe zu Pflanzen