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Grüße aus dem All ins Saarland

Grüße aus dem All ins Saarland

„Ich werde winken, wenn ich über Europa fliege“, verspricht Alexander Gerst den Saarländern. Nicht live, sondern aufgezeichnet. Seinen Part bei der Fragestunde auf der Erde übernimmt ein anderer Hochkaräter der Raumfahrt.

Immer wieder ist von Grenzen die Rede im Saarbrücker Schloss. Grenzen, die überwunden werden. Grenzen, die verschwinden. Grenzen, die überhaupt nicht existieren. Doch dem "Euro Space Day" ist letztlich doch eine Grenze gesetzt. Vom Saarland ins All - das soll einfach nicht sein. Eine Live-Schaltung zum Astronauten Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS sollte der Höhepunkt des Aktionstages mit Unternehmer-Messe und Podiums-Diskussionen sein. Doch sie muss ausfallen. Denn just zu dem Zeitpunkt am Mittwochnachmittag, als der Deutsche vom Außenposten der Erde in 400 Kilometern Höhe grüßen soll, müssen zwei seiner russischen Kollegen durch den Weltraum spazieren, um an der Station Reparaturen durchzuführen. Bei der Überwachung dieses Einsatzes, der für die Astronauten viele Gefahren birgt, ist auch Gerst gefragt.

Der 38-Jährige ist aber trotzdem beim "Euro Space Day" dabei. Die moderne Kommunikation macht es möglich. Gerst sendet über den Kurznachrichtendienst Twitter seine Grüße von der ISS nach Saarbrücken . Außerdem ist auf einer großen Leinwand eine aufgezeichnete Botschaft zu sehen. "Ich werde winken, wenn ich über Europa fliege", sagt der Astronaut lächelnd. Sekunden später ist der Deutsche in seinem Alltag auf der Raumstation zu sehen. Szenen, die zum Teil noch nie zuvor gezeigt wurden. Alexander Gerst beim Zähneputzen, beim täglichen Sport - festgeschnallt auf dem Laufband, damit der nicht davonschwebt -, bei der Arbeit im Labor, bei seinem eigenen Weltraumspaziergang vor zwei Wochen.

Danach übernimmt kein geringerer als Gersts Chef Frank de Winne, der Leiter des Europäischen Astronautenzentrums in Köln und selbst vor fünf Jahren Kommandant der ISS , dessen Part und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Wie lange es dauert, einen Raumanzug anzuziehen, will ein kleiner Junge wissen. "Das kommt darauf an", antwortet de Winne. Bei einem Anzug für den Aufenthalt in der Sojus-Kapsel brauche man nur zehn bis 15 Minuten. "Bei einem Anzug für einen Weltraumspaziergang dauert es bis zu zwei Stunden. Es müssen viele Details kontrolliert werden, damit der Astronaut sicher ist." De Winne erzählt vom Tagesablauf auf der ISS : Aufstehen gegen 6.30 Uhr europäischer Zeit. Morgenwäsche, Frühstück, danach die Besprechung mit der Erde über die Aufgaben des Arbeitstages, der bis 19 Uhr dauert. "Um 21.30 Uhr sollte eigentlich das Licht ausgehen. Aber daran halten wir uns nicht immer", sagt de Winne augenzwinkernd. Auch von den Gefahren für Astronauten spricht der Belgier: von der Strahlung, die auf der Station höher ist als auf der Erde; von der Schwerelosigkeit, die Muskeln und Knochen zusetzen, weshalb die Astronauten jeden Tag zweieinhalb Stunden Sport machen müssen; von Weltraumschrott, der die Station beschädigen könnte; und von der Brandgefahr, die auf so engem Raum groß ist.

Bei einer Frage stößt aber auch der erfahrene Astronaut an die Grenzen seines Wissens. "Gab es schon einmal eine Schwangerschaft im All und wäre eine Geburt dort oben möglich?", will ein Besucher wissen. De Winne lacht. "Soweit ich weiß, ist noch nie eine Frau im All schwanger geworden", sagt er. "Bei einer Geburt würden auch viele wissenschaftliche und ethische Fragen auftauchen, mit denen wir uns noch nicht beschäftigt haben."

Kein Zweifel, der "Euro Space Day" atmet auch ohne die Live-Schaltung ins All den Geist der Raumfahrt . Und eine Botschaft, die weit über die Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik hinausgeht, klingt immer wieder an. Es ist eine Botschaft des Friedens. "Im All gibt es keine Grenzen, um die man kämpfen muss", sagt die Europabeauftragte des Saarlandes, Helma Kuhn-Theis. "Das sollten sich alle zu Herzen nehmen, die hier auf der Erde Grenzen verschieben und neue Territorien erobern wollen."

Zum Thema:

HintergrundEinen saarländischen Astronauten gibt es bisher nicht - ein St. Ingberter ist trotzdem ganz nah dran an den Missionen ins All. Bernhard von Weyhe (41) ist Pressesprecher der Europäischen Weltraumagentur Esa in Darmstadt. Er studierte Politik, Journalismus und Kommunikationswissenschaft an der Saar-Uni, in den USA und Frankreich und arbeitete als Journalist, unter anderem bei der Deutschen Welle. mast