Grünes Licht für den Restaurant-Besuch?"Ich befürchte, dass es im Saarland nicht genügend Kontrollkräfte gibt"

Herr Hohrath, das Ampelsystem für Gaststätten ist nach langem Hin und Her beschlossen - ist das nun gut oder schlecht aus Sicht des Dehoga?Hohrath: Ich finde es schon bemerkenswert, dass man mit den Betrieben anfängt, wo es die wenigsten Beanstandungen gibt. Die Transparenz fängt ja nicht im Lokal an, sondern beim Lebensmittelhersteller und bei den verarbeitenden Betrieben

Herr Hohrath, das Ampelsystem für Gaststätten ist nach langem Hin und Her beschlossen - ist das nun gut oder schlecht aus Sicht des Dehoga?Hohrath: Ich finde es schon bemerkenswert, dass man mit den Betrieben anfängt, wo es die wenigsten Beanstandungen gibt. Die Transparenz fängt ja nicht im Lokal an, sondern beim Lebensmittelhersteller und bei den verarbeitenden Betrieben. Am besten würde man gleichzeitig bei allen Branchen anfangen. Dem Dehoga geht es natürlich nicht darum, eine "Ampel" zu verhindern. Wir wollen ein transparentes System, von dem der Verbraucher auch profitiert. Diese Chance ist nun da - aber nur, wenn die Betriebe schnell und flächendeckend diese "Ampel" bekommen.

Befürchten Sie eine Schieflage bei der Beurteilung?

Hohrath: Ich befürchte, dass es im Saarland nicht genügend Kontrollkräfte gibt, um alle Betriebe aus dem Stand mit der "Ampel"-Kennzeichnung zu versehen. Was ist denn, wenn ein Betrieb die "Ampel" bekommt und der Nachbarbetrieb erst mal nicht, weil er noch nicht auf der Liste steht? Das heißt ja nicht, dass dieser Betrieb schlechter ist. Die Politik im Land muss sich die Frage stellen, wie sie mit 40 Kontrolleuren alle Betriebe zeitnah kontrollieren will.

Die Bewertungen sollten ja auch möglichst aktuell sein.

Hohrath: Ja, es muss eine gewisse Kontrollfrequenz geben. Wenn ein Betrieb monatelang mit gelb oder rot gekennzeichnet ist, ist der Betrieb irgendwann erledigt. Es muss auch die Möglichkeit zum Nachbessern geben. In Dänemark zum Beispiel bekommen die Betriebe - bei lässlichen Sünden - noch ein paar Tage Zeit, die Mängel zu beheben, bevor das Qualitätssiegel vergeben wird. Bremen/Saarbrücken. Die Bon-Maschine spuckt im Minutentakt neue Bestellungen aus. Spargel, Flammkuchen, Salat, Schnitzel. Im Bremer Rathauskeller gehen um die Mittagszeit die Gerichte fast wie am Fließband raus, jeder Handgriff muss sitzen. Sous-Chef Oliver Wichmann dekoriert Pannfisch und Beilagen in einer Pfanne, ein dicker Klecks Soße landet auf der Anrichte. Sofort wischt Wichmann mit einem Tuch hinterher. Trotz Hektik hat Sauberkeit oberste Priorität und ob sich die Mitarbeiter dran halten, überprüft Küchendirektor Arnd Feye mit strengem Blick. Doch nicht in allen Restaurants geht es so ordentlich zu. Im vergangenen Jahr haben Bremer Kontrolleure 3800 Lebensmittelbetriebe unter die Lupe genommen. Bei mehr als zehn Prozent bestanden größere Mängel. In NRW beanstandeten die Experten sogar jedes dritte Lokal.

Abgelaufene Lebensmittel, schmutzige Arbeitsflächen, nachlässiges Personal - wie unappetitlich es in manchen Küchen zugeht, bekommen die Gäste selten mit. Das wollen die Verbraucherschutzminister der Länder nun ändern. Ein Hygiene-Barometer in den Ampelfarben soll möglichst schon vom 1. Januar 2012 an sichtbar am Eingang von Gaststätten hängen. Sie zeigt das Ergebnis der letzten vier Lebensmittelkontrollen an. Steht die Skala auf Grün, kann man bedenkenlos speisen, bei Gelb sind Zweifel angesagt, und bei Rot gab es schwerwiegende Mängel. Später sollen auch Bäcker, Fleischer, Händler, Großküchen und Wochenmärkte dazukommen. Im Internet wird die Bewertung ebenfalls abrufbar sein. Auf einer Sondersitzung in Bremen segneten die Minister das Konzept gestern ab.

"Verbraucher können jetzt schnell und differenziert erkennen, wie die Hygiene-Zustände in Gaststätten sind", sagte der saarländische Verbraucherschutz-Staatssekretär Sebastian Pini. Er freue sich vor allem, dass viele Anregungen aus dem Saarland im Barometer umgesetzt worden seien; zum Beispiel, dass die Informationen verständlich, aber nicht stigmatisierend wiedergegeben werden sollten. "Einen Smiley hatte ich frühzeitig abgelehnt", sagte Pini. Den saarländischen Betrieben müsse die Einführung des Barometers keine Sorgen bereiten. Würde es jetzt schon gelten, lägen 97,37 Prozent im grünen Bereich, 2,22 Prozent im gelben und 0,41 im orangefarbenen.

Als Feye zum ersten Mal von der "Ampel" hörte, dachte er: "Kein Problem." Schließlich hatten die Lebensmittelkontrolleure in seinem Haus bis auf Kleinigkeiten wie abgeblätterte Farbe nie etwas zu kritisieren. Doch umso länger Feye über das geplante System nachdachte, desto skeptischer sah er es. "Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme. Es gibt keine Branche, in der so viel Fluktuation herrscht wie in der Gastronomie - mal ist es ein guter Pächter, mal ein schlechter." Doch was passiert bei einem Betreiberwechsel? Bleibt die "Ampel" hängen? Oder wird sie abgenommen, bis ein Kontrolleur den Betrieb besucht hat? "Doch bis dahin wundern sich die Gäste, wieso der keine 'Ampel' hat." Feye befürchtet, dass das System am Ende nicht für mehr Transparenz sorgt, sondern diese den Gästen nur vorgaukelt.

Hintergrund

Wer im Berliner Stadtteil Pankow essen geht, kann sich am Smiley für saubere Restaurants orientieren. Der Bezirk hat das System nach dänischem Vorbild vor gut zwei Jahren eingeführt und ist damit Vorreiter in Deutschland.

Die schwarzen Schafe unter den Gaststätten werden regelmäßig im Internet genannt, derzeit sind es 17. Fotos auf der "Ekelliste" zeigen dreckige Kühlschränke, schimmelige Lebensmittel und Mäusekot in der Küche. Daneben gibt es eine Positivliste mit den Adressen sauberer Betriebe, die den lachenden Smiley erhalten haben.

Ab Juli soll das System in der gesamten Stadt eingeführt werden - allerdings in abgespeckter Form, bei dem die Veröffentlichung der lachenden oder weinenden Smileys nur noch auf freiwilliger Basis erfolgt. Verbraucherschützer haben dagegen bereits Protest angemeldet. dpa

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