Grüner Einsatz für den Hanf

Berlin. "Gebt das Hanf frei, und zwar sofort!": Dieser legendäre, aber vergeblich ausgerufene Satz von Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele auf der "Hanfparade" 2002 wurde sogar von Entertainer Stefan Raab in einem eigenen Lied verarbeitet

Berlin. "Gebt das Hanf frei, und zwar sofort!": Dieser legendäre, aber vergeblich ausgerufene Satz von Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele auf der "Hanfparade" 2002 wurde sogar von Entertainer Stefan Raab in einem eigenen Lied verarbeitet. Sieben Jahre danach lassen die Grünen immer noch nicht locker: Im Wahljahr sollen endlich "Besitz und Anbau von Cannabis zum Eigengebrauch" freigegeben werden.So steht es in einem Antrag der Bundestagsfraktion, der im März im Gesundheitsausschuss beraten und dann im Parlament verabschiedet werden soll. Antrags-Initiator Harald Terpe, drogen- und suchtpolitischer Sprecher der Grünen, hofft auf Einsicht der anderen Fraktionen: "Es gibt viele Gelegenheits- und Dauerkonsumenten von Cannabis. Das Verbot hat daran überhaupt nichts geändert", so Terpe zu unserer Zeitung. In Deutschland greifen laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), etwa 600 000 junge Menschen regelmäßig gesundheitsgefährdend zum Joint.

Haschisch, Marihuana, Gras, alles was sich unter dem Oberbegriff Cannabis zusammenfassen lässt, sind hierzulande die am meisten konsumierten illegalen Drogen.

Seit Jahren gibt es allerdings eine lebhafte Debatte über den Status des Rauschmittels, insbesondere, weil legale Suchtmittel auf dem Vormarsch sind: "Das Problem des Alkoholmissbrauchs ist ein viel gravierenderes", sagt Terpe.

Geringe Mengen

Laut Betäubungsmittelgesetz (BtMG) sind Anbau, Herstellung, Verkauf, Handel oder Einfuhr von Cannabis verboten, in vielen Fällen werden Strafverfahren wegen der geringen Mengen für den Eigengebrauch aber gar nicht erst eingeleitet. Es bleibt bei der Beschlagnahmung. "Uns geht es nicht um vollständige Freigabe, weil man dann auch eine Abgabe organisieren müsste", so Terpe. Aber wenn schon vielfach von der Strafverfolgung abgesehen werde, "könnte man den Eigengebrauch auch gleich entkriminalisieren". In den Niederlanden gebe es genau aus diesem Grund eine Grenze von 30 Gramm als typische Konsummenge, "vorstellbar" müsse dies auch in Deutschland sein.Nach Angaben des Bundeskriminalamts gelangt der größte Teil des Cannabis über die Niederlande nach Deutschland. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2007 alles in allem über 140 000 Cannabis-Delikte aus. Neben dem Schmuggel hat aber offenbar auch der häusliche Anbau Konjunktur: Vor zwei Jahren wurden 82 Plantagen im Freien sowie 326 in Gebäuden versteckte Groß- und Kleinplantagen aufgespürt. Es gehe nicht darum, "dass jemand anbaut und damit Fremde versorgt. Das bleibt nach unserem Antrag verboten", betont Terpe.

Die Chancen für einen Erfolg der Grünen stehen dennoch schlecht: Erst im Dezember letzten Jahres sprach sich eine Mehrheit des Bundestages aus Union, SPD und FDP sogar dagegen aus, die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu erleichtern.

Stichwort

Obwohl es über die Heilwirkung von Cannabis noch keine belastbaren Studien gibt, kämpfen Mediziner seit Jahren um die Freigabe der Droge als Medikament. Die im März 2000 gegründete Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM) gehört beispielsweise dazu. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" wurde Mitte Februar in Deutschland erstmals Marihuana als Medikament an sieben Patienten abgegeben, die zum Teil sehr schwer krank sind. Einsatzgebiete von Cannabis sehen Mediziner vor allem bei chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose, beim Tourette-Syndrom und bei Krebs- oder HIV-Erkrankungen. isc

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