Grüne nehmen Kurs aufs Kanzleramt

Berlin. Auf die Grünen rollt eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten für 2013 zu. Nach einer Umfrage vom Wochenende gäbe es derzeit im Bund eine Mehrheit für eine grün-rote Koalition unter einem grünen Kanzler. Ex-Außenminister Joschka Fischer (Foto: afp) stellte vorauseilend klar, er stehe für eine Spitzenkandidatur nicht zur Verfügung

Berlin. Auf die Grünen rollt eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten für 2013 zu. Nach einer Umfrage vom Wochenende gäbe es derzeit im Bund eine Mehrheit für eine grün-rote Koalition unter einem grünen Kanzler. Ex-Außenminister Joschka Fischer (Foto: afp) stellte vorauseilend klar, er stehe für eine Spitzenkandidatur nicht zur Verfügung. Die Grünen-Spitze bemühte sich, die Diskussion abzuwürgen. In der Partei regt sich zudem Unruhe angesichts des eigenen Erfolgs.Die Grünen hatten bei den jüngsten Landtagswahlen kräftig zugelegt und in Baden-Württemberg einen historischen Machtwechsel eingeleitet. Bald wird dort mit Winfried Kretschmann der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands regieren. Der wöchentliche Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid ermittelte am Wochenende erstmals eine Mehrheit für einen von den Grünen gestellten Bundeskanzler. Nach der Wahlumfrage im Auftrag der Zeitung "Bild am Sonntag" kommen Grüne und SPD gemeinsam auf 47 Prozent und hätten damit eine Mehrheit. Die Grünen erreichen mit 24 Prozent erneut einen Rekordwert und liegen einen Punkt vor der SPD.

Spekulationen, der langjährige Parteiobere Fischer könnte 2013 um den Einzug ins Kanzleramt kämpfen, wies der Grünen-Politiker umgehend zurück. "Ich fühle mich geehrt, dass man mir das zutraut. Aber das ist es dann auch", sagte Fischer, "eine Rückkehr des Joschka Fischer in die Politik ist ausgeschlossen."

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin betonte, eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten stehe "jetzt nicht an". Die Partei will ihre personelle Aufstellung für die nächste Bundestagswahl und einen möglichen Führungsanspruch nicht von Umfragen abhängig machen. "Ausschlaggebend sind die nächsten Wahlergebnisse", sagte Trittin. Diese würden zeigen "ob solche Überlegungen überhaupt eine reale Grundlage haben".

Interne Debatten gibt es aber bereits jetzt, wie die Grünen mit dem eigenen Höhenflug umgehen sollen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" forderte Trittin bei einem Treffen führender Vertreter des linken Parteiflügels, dass sich die Grünen "eher bald als später" auf eine rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2013 festlegen sollten. Das sei eine Lehre aus dem Wahlsieg in Baden-Württemberg, der das Ergebnis einer "rot-grünen Zuspitzung" gewesen sei. Eine 19-seitige Wahlanalyse aus dem linken Parteiflügel, die dem Magazin vorliegt, empfiehlt ebenfalls eine klare linke Profilierung der Grünen.

Dagegen favorisieren Politiker des rechten Parteiflügels als Konsequenz aus der Wahl eine weitere Öffnung zur Mitte. Parteichef Cem Özdemir sagte, die Partei solle den Sieg als "Chance auch zur programmatischen Tiefenarbeit nutzen" und politische Werte aus anderen Parteitraditionen wie "Leistungsbereitschaft, Fortschritt oder Solidarität" in die grüne Debatte einbeziehen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte der Partei ein baldiges Ende des Hochs voraus. "Wir werden 2013 keinen grünen Bundeskanzler haben, und das lässt sich auch nicht herbeischreiben", sagte er. Auch Parteichef Sigmar Gabriel sieht für die Grünen keine reellen Chancen auf eine Kanzlerschaft.

Anders als die Grünen hält sich die SPD mit möglichen Kanzlerkandidaten aber nicht zurück - die Liste der potenziellen Spitzenleute wird immer länger. So brachten Steinmeier und Gabriel am Wochenende Hamburgs Ersten Bürgermeister, Olaf Scholz, neu für diesen Posten ins Spiel. Scholz schloss eine Kandidatur für 2013 allerdings aus. "Eine Rückkehr des Joschka Fischer

in die Politik

ist ausgeschlossen."

Joschka Fischer über angebliche Kanzler-Ambitionen 2013

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