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Grün in 14, 13, 12, . . . Sekunden

Grün in 14, 13, 12, . . . Sekunden

Wann zeigt die Ampel endlich grünes Licht? Diese Frage müssen sich die Autofahrer an Berliner Kreuzungen erstmal nicht mehr stellen. Denn die Stadt testet Countdown-Ampeln. Die finden auch Verkehrsexperten der Regierung gut. Das Problem ist: Das Ümrüsten ist teuer.

Vier, drei, zwei, eins - und aus Rot wird Grün. Die Berliner Stadtverwaltung will sie ab Ende September bereits erproben: die Countdown-Ampel. Sie zeigt an, wie lange eine Rotphase noch dauert. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, in China, Japan, Taiwan oder Dänemark gibt es sie. Verkehrspolitiker von Union und FDP plädieren daher nun für die Einführung von Ampeln mit Sekundenanzeige bundesweit, um für mehr Disziplin und Gelassenheit an den Kreuzungen zu sorgen.

Das Prinzip ist einfach: An Ampeln werden zusätzliche Kästen mit Digitaldisplays angebracht, die anzeigen, wie viele Sekunden die Rotphase noch dauert, bevor die Ampel auf Grün springt. Oder aber die digitale Zeitangabe wird in die Ampel als drittes Signal integriert. So plant es Berlin. Die Hauptstadt erhofft sich davon, dass Fußgänger sich dann disziplinierter verhalten.

Die Verkehrspolitiker der Koalition finden das gut: "Das ist ein Gewinn für die Verkehrssicherheit", sagt der FDP-Experte Oliver Luksic. Denn die Zahl der "Rotläufer" verringere sich durch das System deutlich. "Daher sollten wir überlegen, die Countdown-Ampeln für Fußgänger auszuweiten." CDU-Verkehrsexperte Thomas Jarzombek sieht das ähnlich: Das System sei "begrüßenswert und für Fußgänger überall interessant".

Auch Hamburg hatte vor einigen Jahren schon Versuche mit der Countdown-Ampel durchgeführt und sie wissenschaftlich begleiten lassen. Bei den Fußgängern nahm die Zahl derer, die bei Rot die Straße überquerten, deutlich ab. Im Tagesdurchschnitt um mehr als 20 Prozent. Mit der Anzeige im Blick habe sich bei den Passanten eine größere Gelassenheit eingestellt, lautete das Fazit damals.

Beim Test mit den Sekundenanzeigen für Autofahrer zeigte sich indes das gegenteilige Bild: Anders als erhofft schalteten nur wenige ihren Motor bei Rot ab. Auch verbesserte sich der Verkehrsfluss nicht - und viele Autofahrer starteten deutlich zu früh. Laut Jarzombek gebe es deshalb nun Versuche, die Restzeit von Rot- oder Grünphasen elektronisch an Autos zu übermitteln. Im Display des Fahrzeugs oder mit einer entsprechenden App für das Smartphone sei die Länge der Phasen dann frühzeitig sichtbar. Autofahrer könnten dadurch gleichmäßiger an die Ampeln heranfahren, was den Lärm reduziere und den Asphalt schone.

Im Bundesverkehrsministerium ist man allerdings zurückhaltend. Die Kommunen könnten in eigener Regie an Fußgängerampeln Countdown-Signale installieren, so eine Sprecherin. Beim ADAC verweist man zudem in einem Positionspapier unter anderem auf mögliche Kosten für Hardware, Software sowie den Betrieb: Für jede Kreuzung seien 100 000 bis 300 000 Euro fällig, schätzt der Automobilclub.