Genmais muss vom Acker

Mit dem gestrigen Verbot der Aussaat von so genanntem Gen-mais des US-Herstellers Monsanto ist der kommerzielle Anbau von genverändertem Getreide in Deutschland praktisch komplett zum Erliegen gekommen. Nur der Import von gen-verändertem Futtermittel bleibt erlaubt, ebenso die grüne Gen-Forschung

Mit dem gestrigen Verbot der Aussaat von so genanntem Gen-mais des US-Herstellers Monsanto ist der kommerzielle Anbau von genverändertem Getreide in Deutschland praktisch komplett zum Erliegen gekommen. Nur der Import von gen-verändertem Futtermittel bleibt erlaubt, ebenso die grüne Gen-Forschung. Agrarministerin Ilse Aigner (CSU, Foto: dpa) sagte, es handele sich um eine sachlich begründete Einzelfall-Entscheidung gegen das Monsanto-Produkt "MON 810" und nicht um eine politische Grundsatzentscheidung. Es gebe "berechtigte Gründe für die Annahme, dass eine Gefahr für die Umwelt bestehen könnte".

Die von Aigner verhängte "Schutzklausel" gegen MON 810 gilt unbefristet. Der US-amerikanische Konzern Monsanto prüft jetzt eine Klage, teilte ein Sprecher des Herstellers mit. Allerdings fühlt sich das Ministerium gut gewappnet. Es beruft sich auf zwei Luxemburger Studien, wonach "MON 810" Nebenwirkungen auf weitere Insekten- und Wasserorganismen haben kann. Eigentlich soll der Genmais nur den Maiszündler in Schach halten soll. Die Pflanze produziert ein Gift, dass die Larven dieses Schädlings abtötet.

Befürworter verweisen darauf hin, dass dadurch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft erheblich reduziert werden kann. Die Luxemburger Studien hätten jedoch Schädigungen auch von anderen Schmetterlingen und einer Marienkäferart ergeben, teilte Aigner gestern mit.

Zudem hätten deutsche Untersuchungen gezeigt, dass die Pollen des genveränderten Maises deutlich weiter fliegen, als bisher erwartet. Alle diese Faktoren hätten kurzfristig zur Verbotsentscheidung geführt, sagte Aigner. Man komme damit gerade noch rechtzeitig vor der Aussaat.

Neben Deutschland haben auch Frankreich, Luxemburg, Ungarn, Österreich und Griechenland den Anbau verboten. 2007 hatte es kurzzeitig schon einmal in Deutschland eine Schutzklausel gegen den Gen-Mais gegeben, die jedoch nach Klagedrohungen der Firma vom damaligen Agrarminister Horst Seehofer (CSU) wieder aufgehoben wurde. Seitdem wird das Produkt auf 3100 Hektar vor allen Dingen im Osten Deutschlands angebaut. Das Ministerium und das Unternehmen vereinbarten im Gegenzug eine enge Überwachung dieser Flächen. Seehofer vergrößerte per Gesetz zudem den Mindestabstand zu anderen Saatflächen.

Die Landwirtschaftsministerin, die bisher eher als eine Befürworterin der grünen Gentechnik galt, entspricht mit der gestrigen Entscheidung auch Erwartungen ihrer Partei in Bayern. Dort läuft eine breite Bewegung für gentechnikfreie Zonen in Deutschland, die inzwischen auch Seehofer, nun Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, unterstützt.

Als einer der ersten lobte denn auch gestern Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) den Schritt. "Das wird von der Bevölkerung und den Landwirten mit Erleichterung aufgenommen", sagte Söder. Auch die Umweltverbände und Bauernorganisationen in Deutschland begrüßten Aigners Entscheidung und nannten sie "längst überfällig".

Die CDU hingegen ging auf Distanz zur CSU-Ministerin. Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche sagte, sie habe für das Verbot "überhaupt kein Verständnis" und nannte es "populistisch". Die FDP befürchtete "schweren Schaden" für den Wissenschaftsstandort Deutschland. Allerdings will Aigner die Forschung an der grünen Gentechnik nun eher noch verstärken. Dies gelte vor allem für Sicherheitsfragen. Aigner sagte dazu gestern: "Ich stehe nach wie vor für die Forschung ein." In Deutschland gibt es über hundert zum Teil sehr kleine Forschungsflächen für die grüne Gentechnik.

"Es gibt berechtigte Gründe für die Annahme, dass eine Gefahr für die Umwelt bestehen könnte."

Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) zum Verbot von Genmais

Auf einen Blick

Genmais MON 810 ist die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in der EU kommerziell angebaut werden darf. Sie wurde 1998 genehmigt. Für Deutschland gab der damalige Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) 2005 grünes Licht für die Anwendung. Der US-Konzern Monsanto hat in den Mais ein Gen eingebaut, das aus einem Bodenbakterium (Bacillus thuringiensis, auch Bt-Mais) gewonnen wurde. Dieses Bakterium produziert ein Gift gegen den Maiszünsler. Der Kleinschmetterling ist der häufigste Maisschädling. dpa