Geheim-Kommando in der Nacht

Die US-Spezialkräfte kamen im Schutz der Dunkelheit, um das Versteck von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zu stürmen. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen landete eine "kleine Einheit" in der Nacht zum Montag mit zwei Hubschraubern auf einem abgeschirmten Anwesen in Abbottabad, rund 50 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad

Die US-Spezialkräfte kamen im Schutz der Dunkelheit, um das Versteck von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zu stürmen. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen landete eine "kleine Einheit" in der Nacht zum Montag mit zwei Hubschraubern auf einem abgeschirmten Anwesen in Abbottabad, rund 50 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Etwa 40 Minuten dauerte die Aktion, bei der der meistgesuchte Terrorist der Welt getötet wurde. Der TV-Sender CNN berichtete, dass Bin Laden durch einen Kopfschuss starb.Dem Zugriff ging jahrelange Geheimdienstarbeit voraus. Auf die Spur kamen die Nachrichtendienste dem Al-Qaida-Chef nach Angaben eines ranghohen US-Beamten vor vier Jahren über einen Boten, der als einer der wenigen galt, dem Bin Laden vertraute. Verhöre festgenommener Terrorverdächtiger hätten darauf hingedeutet, dass dieser Bote mit Bin Laden lebte und diesen beschützte. Über Jahre hinweg sei es aber nicht möglich gewesen, den echten Namen des Mannes herauszufinden.

Vor zwei Jahren konnten die Geheimdienste "Gegenden ausmachen, von denen aus der Bote und sein Bruder operierten", sagte der US-Vertreter. Im August 2010 kam schließlich der Durchbruch, als ihre Residenz im wohlhabenden Abbottabad entdeckt wurde. "Wir waren geschockt von dem, was wir sahen", sagte der Beamte. Das Anwesen habe zwei Sicherheitstore gehabt und alle anderen Häuser in der Gegend in den Schatten gestellt. Rund um den Komplex seien mehr als fünf Meter hohe Mauern mit Stacheldraht errichtet worden, zudem habe es weitere innere Wände und nur wenige Fenster an der Außenfassade gegeben. Das etwa eine Million Dollar teure, 2005 errichtete Anwesen habe keinen Telefon- und Internetanschluss gehabt. "Geheimdienst-Experten kamen zu dem Schluss, dass diese Residenz für jemanden von Bedeutung gebaut wurde."

Alles habe dafür gesprochen, dass es sich um das Versteck Bin Ladens handelte, andere Quellen hätten dies bestätigt. Im Februar seien die Geheimdienste schließlich überzeugt gewesen, und das Weiße Haus habe mit den Vorbereitungen für den Zugriff begonnen. Ab März habe sich US-Präsident Barack Obama regelmäßig mit seinem Sicherheitsstab getroffen, um die Optionen abzuwägen, sagte ein weiterer US-Beamter. Aus Sicherheitsgründen seien die Erkenntnisse und Pläne mit niemandem geteilt worden, auch nicht mit Pakistan.

Am Freitag habe Obama den Zugriffsbefehl gegeben. Der "chirurgische Angriff" sei am Sonntag erfolgt und habe weniger als 40 Minuten gedauert. Ein US-Hubschrauber setzte demnach ein "kleines Team" in den stark gesicherten Komplex ab. Bei Schusswechseln seien neben Bin Laden der Bote, dessen Bruder und ein Sohn Bin Ladens getötet worden. Auch eine Frau sei getötet worden, die von einem Al-Qaida-Kämpfer als Schutzschild missbraucht worden sei. Der Zugriff sei nicht nur wegen der starken Sicherheitsvorkehrungen und der Nähe zu Islamabad gefährlich gewesen, sondern auch weil sich Frauen und Kinder auf dem Anwesen befanden. Die US-Spezialkräfte blieben unverletzt. Allerdings sei einer der beiden Helikopter wegen einer "mechanischen Panne" ausgefallen und deshalb zerstört worden, hieß es. Beim Rückzug habe die gesamte Einheit mit dem verbleibenden Hubschrauber ausgeflogen werden müssen - samt der Leiche Bin Ladens, die durch einen DNA-Test identifiziert wurde. Die US-Regierung gab zunächst nur wenige Details zu dem Einsatz selbst bekannt. Der TV-Sender ABC berichtete, es habe sich um rund 25 Soldaten der Elite-Einheit Navy-Seals gehandelt.