Gehälter in Deutschland driften weiter auseinander

Gehälter in Deutschland driften weiter auseinander

Paris. In Deutschland ist die Einkommenskluft in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich schneller gewachsen als in den meisten anderen Industrieländern. Das geht aus einer Studie hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestern in Paris vorstellte

Paris. In Deutschland ist die Einkommenskluft in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich schneller gewachsen als in den meisten anderen Industrieländern. Das geht aus einer Studie hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestern in Paris vorstellte. Demnach brachten die zehn Prozent Spitzenverdiener in Deutschland im Jahr 2008 etwa achtmal mehr Geld nach Hause als die zehn Prozent Geringverdiener. In den 90er Jahren lag das Verhältnis noch bei 6 zu 1. Der OECD-Durchschnitt ist 9 zu 1.Die OECD-Forscher widersprechen der Annahme, dass Wirtschaftswachstum automatisch allen Bevölkerungsgruppen zugutekomme. Im OECD-Schnitt stiegen die verfügbaren Haushaltseinkommen in den beiden Jahrzehnten vor der Finanz- und Wirtschaftskrise um 1,7 Prozent jährlich. Die größten Gewinne machten dabei meist Gutverdienerhaushalte. In Deutschland sei diese Entwicklung besonders ausgeprägt: Die realen Haushaltseinkommen seien zwar um 0,9 Prozent jährlich gestiegen, bei den Niedriglöhnen seien davon allerdings lediglich 0,1 Prozent angekommen, während die oberen zehn Prozent ihr Einkommen um 1,6 Prozent steigern konnten.

In den vergangenen 15 Jahren habe sich in Deutschland die Lohnschere bei den Vollzeitarbeitenden um ein Fünftel erweitert. Aber auch zunehmende Teilzeitbeschäftigung und die Verringerung der Arbeitszeiten trügen zur Entwicklung bei: Deutsche Geringverdiener hätten vor 20 Jahren im Schnitt noch 1000 Stunden pro Jahr gearbeitet; 2008 noch 900 Stunden. Menschen aus den oberen Einkommensklassen hingegen arbeiteten weiter rund 2250 Stunden. Die umverteilende Wirkung von Steuern und Sozialtransfers sei in Deutschland mit 29 Prozent (OECD-Mittel: 25 Prozent) zwar groß, konnte aber das Auseinanderdriften nicht verhindern. epd/dapd

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