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Gauck wirbt nach Terror um Vertrauen in den Staat

Gauck wirbt nach Terror um Vertrauen in den Staat

Nach der Terror-Attacke in Berlin kochen Schuldzuweisungen hoch: gegen Flüchtlinge, gegen die Kanzlerin. Bundespräsident Gauck mahnt, die Debatte nicht in Hass umschlagen zu lassen.

Bundespräsident Joachim Gauck ruft angesichts des Terrors in der Welt und vor unserer Haustür zu mehr Vertrauen in Staat und Gesellschaft auf. Zugleich mahnt er Augenmaß in der politischen Auseinandersetzung an. "Dieses Land verdient das Vertrauen seiner Bürger. Auch gegenwärtig, da es mit ungelösten Problemen ringt", sagte das Staatsoberhaupt in seiner Weihnachtsansprache, die am Sonntagabend von ARD und ZDF ausgestrahlt wird. Gauck würdigte die Menschen, "die unser Land durch eigenes Wirken bewohnbarer, die es verlässlich, vertrauenswürdig machen". Als Beispiele nannte er Lehrer, Soldaten, Polizisten, Pfleger, Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Sozialarbeiter, Unternehmer und Ehrenamtliche. Speziell in unsicheren Zeiten wisse man den zuverlässigen Einsatz von so vielen Menschen zu schätzen.

In Anbetracht von Wut und Ängsten nach dem Anschlag in Berlin rief Gauck zu einem weiter menschlichen Miteinander auf und warnte vor dem Schüren von Feindbildern. "Gerade in Zeiten terroristischer Attacken sollten wir die Gräben in unserer Gesellschaft nicht vertiefen, weder Gruppen pauschal zu Verdächtigen noch Politiker pauschal zu Schuldigen erklären", sagte er. Das bedeute nicht, auf Auseinandersetzungen über die Flüchtlingspolitik oder über weitere Sicherheitsmaßnahmen zu verzichten. Es gelte aber, Augenmaß und die Achtung vor dem politischen Gegner zu bewahren.

Der Lkw-Anschlag in Berlin habe viele zutiefst erschreckt und verstört. Wenn man genau hinschaue, erkenne man jedoch: "Wir sind zusammengerückt als Gemeinschaft derer, die die Mitmenschlichkeit verteidigen." Unterschiedliche Menschen hätten sich gestärkt, Wärme und Nähe gegeben. Gauck betonte, dies seien "keine Wunschträume". So habe er Augenzeugen getroffen, die - einem inneren Impuls folgend - zu sterbenden und verletzten Menschen geeilt seien, um zu helfen. Hierin zeige sich auch die christliche Weihnachtsbotschaft, empfindsam, zugewandt und hilfsbereit zu leben.