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Front National stellt UMP vor die Wahl

Front National stellt UMP vor die Wahl

Der rechtspopulistische Front National hat bei der Parlamentsnachwahl in Frankreich am besten abgeschnitten. Die konservative UMP muss sich nun entscheiden, ob sie ihren Wählern für die Stichwahl eine Empfehlung für den sozialistischen Bewerber gibt.

Sophie Montel ließ sich gerne hinter der geöffneten Champagnerflasche fotografieren. Die Kandidatin des rechtspopulistischen Front National (FN) stieß gleich am Sonntagabend mit ihren Mitstreitern an: Sie hatte die erste Runde der Parlaments-Nachwahl im ostfranzösischen Doubs mit rund 33 Prozent vor dem Bewerber der Sozialisten , Frédéric Barbier, mit knapp 29 Prozent gewonnen. Die Abstimmung, bei der die Wähler den Nachfolger des nach Brüssel entsandten Wirtschafts- und Währungskommissars Pierre Moscovici bestimmten, war mehr als eine Nachwahl. Denn die Entscheidung am Sonntag spiegelte auch die Stimmung in Frankreich fast vier Wochen nach der islamistischen Anschlagserie mit 17 Toten wider.

Dabei zeigte sich, dass der FN mit seiner Anti-Einwanderungspolitik von den Gewalttaten profitiert. Eine Umfrage ergab vergangene Woche bereits, dass Parteichefin Marine Le Pen derzeit die erste Runde der Präsidentschaftswahl klar gewinnen würde, die 2017 stattfindet. In der zweiten Runde würde sich allerdings praktisch jeder andere Spitzenkandidat von Sozialisten oder konservativer UMP gegen die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen durchsetzen.

Nach den Anschlägen hatte es zunächst danach ausgesehen, als sei das Wir-Gefühl in Frankreich stärker als die ausländerfeindliche Polemik des FN. Le Pen war nicht beim republikanischen Marsch dabei, bei dem zum Gedenken an die Opfer und für die Pressefreiheit in der Hauptstadt Paris mehr als eine Million Menschen auf die Straße gingen. Sozialisten und Vertreter der konservativen UMP waren damals Seite an Seite marschiert.

Auf diese "republikanische Allianz" setzen die Sozialisten nun auch vor der Stichwahl im Doubs. "Ich fordere die UMP offiziell auf, für den PS zu stimmen", sagte Parteichef Jean-Christophe Cambadélis gestern. Mit seiner Forderung dürfte er allerdings auf taube Ohren stoßen. Die UMP, die heute über ihre Reaktion entscheidet, dürfte ihren Wählern keine klare Empfehlung für den sozialistischen Kandidaten mit auf den Weg geben. "Nicolas Sarkozy will, dass die Wähler frei in ihrer Entscheidung sind", zitierte die Zeitung "Le Monde " einen Vertrauten des UMP-Chefs, für den das Wahlergebnis eine erste Niederlage ist. In der UMP gibt es allerdings auch prominente Stimmen wie Partei-Vize Nathalie Kosciusko-Morizet, die für eine "republikanische Front" gegen den FN sind.

Damit hätten die Sozialisten am nächsten Sonntag die Chance, ihre Serie von zwölf Niederlagen bei Nachwahlen seit der Parlamentswahl 2012 zu beenden. Sie setzen auf die neue Popularität von Regierungschef Manuel Valls und Präsident François Hollande , deren Reaktion auf die Anschläge von Paris die meisten Franzosen begrüßten. Freuen kann sich der PS über das Ergebnis trotzdem nicht: Moscovici hatte vor knapp drei Jahren noch fast 50 Prozent der Stimmen in der Region an der Grenze zur Schweiz bekommen.