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Forschung im Saarland top, Förderung Flop

Forschung im Saarland top, Förderung Flop

Saarbrücken. Ausnahmsweise kommt das "Zeugnis" nicht zum Ende des Schuljahres, sondern zum Anfang: Im Bildungsmonitor 2010, der gestern in Berlin vorgestellt wurde, liegt das Saarland unter allen Bundesländern auf Platz neun

Saarbrücken. Ausnahmsweise kommt das "Zeugnis" nicht zum Ende des Schuljahres, sondern zum Anfang: Im Bildungsmonitor 2010, der gestern in Berlin vorgestellt wurde, liegt das Saarland unter allen Bundesländern auf Platz neun. Damit ist das Saarland gegenüber dem Vorjahr um zwei Plätze nach unten gerutscht, wie der Auftraggeber der Studie, die arbeitgeberfinanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, mitteilte. Das aktuelle Ranking führen wie im Vorjahr Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg an, Schlusslicht ist Berlin. Grund für das schlechtere Abschneiden des Saarlandes seien die geringe Anzahl von Akademikern unter den Betreuern in Kitas sowie eine überdurchschnittlich hohe Zahl dienstunfähiger Lehrer. Mit 1,5 Prozent sei der Anteil des Personals mit einem Hochschulabschluss in den Kitas im vergangenen Jahr der niedrigste in ganz Deutschland. Fast zwei von fünf pensionierten Lehrern wurden den Angaben zufolge wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Bundesweit waren es etwas mehr als ein Fünftel. Die Ganztagsbetreuung an Schulen sei zudem wenig ausgebaut. Künftig dürfte sich die Bewertung aber dank der Konjunkturpakete verbessern, schreiben die Autoren der Studie. Wegen sinkender Schülerzahlen könnte die Landesregierung zudem in zehn Jahren über etwa 145 Millionen Euro verfügen und diese in allgemeinbildende Schulen investieren. Dem Bericht zufolge liegen die Investitionsquoten sowohl im allgemeinbildenden Schulwesen mit 7,6 Prozent unter dem Bundesschnitt (8,2 Prozent) als auch im beruflichen Schulwesen mit 2,5 Prozent (Bundesschnitt: 6,9 Prozent). Positiv hob die Studie indes die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses heraus. Mit mehr als sieben Habilitationen pro 100 Professoren liegt das Saarland bundesweit an der Spitze. Beim Anteil der Promotionen an allen Hochschulabsolventen (9,4 Prozent) schnitten nur Berlin und Hamburg besser ab. Dies trug den saarländischen Hochschulen ein dickes Lob von Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Christoph Hartmann (FDP) ein, der "die erstklassigen Ausbildungsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs" hervorhob.Ein weiterer Pluspunkt sind die Fortschritte bei der Bekämpfung der Bildungsarmut. In diesem Ranking liegt das Saarland inzwischen auf Platz vier aller Bundesländer. Den Angaben zufolge konnte die Anzahl der Schul-Abbrecher im Jahr 2008 auf 760 reduziert werden. Dies ergibt eine Abbrecherquote von 6,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 7,0 Prozent). Insgesamt hat sich das Saarland gegenüber dem ersten Bildungsmonitor von 2004 bei der Bekämpfung der Bildungsarmut deutlich gesteigert.Eine weitere Stärke des Saarlands besteht in der beruflichen Bildung, wo das Land bundesweit auf Platz fünf liegt. Im Jahr 2008 standen rechnerisch für 73,3 Prozent der Bevölkerung im entsprechenden Alter betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung (Bundesdurchschnitt: 62,1 Prozent). Nur in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg war die Lage im dualen Ausbildungssystem günstiger. Allerdings war die Quote erfolgreicher Abschlussprüfungen in der dualen Berufsausbildung im Saarland unterdurchschnittlich.Der saarländische Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne, Foto: dpa) bewertet das Ergebnis der Studie als "guten Mittelfeldplatz". Gleichzeitig räumte er gegenüber unserer Zeitung Defizite im Bildungswesen ein. "Schwächen haben wir bei der frühkindlichen Bildung und bei Ganztagsschulen", sagte Kessler. "In beiden Bereichen müssen wir aufholen und haben dazu entsprechende Programme aufgelegt." Die freiwilligen Ganztagsschulen würden ebenso wie die Ganztagsklassen weiter ausgebaut. Zudem wolle er demnächst ein Konzept für verpflichtende Ganztagsschulen ab dem kommenden Schuljahr vorstellen. Die Macher des Bildungsmonitors 2011 werden genau hinsehen, was sich tut. Man darf gespannt sein, wie das nächste "Zeugnis" für das Land ausfällt. "Wir liegen auf einem guten Mittelfeldplatz."Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne)