Folgen fürs Saarland nicht abschätzbar

Saarbrücken. Die Befürchtungen der saarländischen Betriebe im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit reichen nach Ansicht von Handwerkskammer (HWK) und Bauwirtschaft von "groß" bis "gar nicht vorhanden". Dies liege daran, dass die Auswirkungen derzeit noch nicht absehbar seien. Das ergab eine Umfrage der Saarbrücker Zeitung

Saarbrücken. Die Befürchtungen der saarländischen Betriebe im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit reichen nach Ansicht von Handwerkskammer (HWK) und Bauwirtschaft von "groß" bis "gar nicht vorhanden". Dies liege daran, dass die Auswirkungen derzeit noch nicht absehbar seien. Das ergab eine Umfrage der Saarbrücker Zeitung. "Vor allem herrscht Unsicherheit, was sich an der Preisfront tun wird", erklärte HWK-Geschäftsführer Georg Brenner. Zwar müssten ausländische Betriebe den vom deutschen Gesetzgeber festgeschriebenen Mindestlohn zahlen, seien aber durch wesentlich niedrigere Sozialleistungen in ihren Heimatländern im Preisvorteil. "Es wäre kein fairer Wettbewerb, wenn dadurch heimische Betriebe Aufträge verlören." Ebenfalls nicht vorhersehbar sei das Verhalten der deutschen Verbraucher. "Möchten sie lieber einen Betreiber vor Ort oder heißt es 'Hauptsache billig'?"Diese Sorgen beschäftigen auch den Arbeitgeberverband Bau Saar (AGV). "Wir sind skeptisch, was passiert", sagte Hauptgeschäftsführer Claus Weyers. Gerade im Baugewerbe sei es leicht, Arbeiter nach Deutschland zu schicken, den Firmensitz jedoch in Osteuropa zu belassen. Allerdings seien die Kontingente von Werkverträgen, die bisher den Osteuropäern das Arbeiten in Deutschland ermöglichten, nicht vollständig ausgeschöpft. "Daher meinen einige, dass sich fast nichts verändern wird", so Weyers. Möglicherweise sei das Saarland auch weniger vom Zustrom ausländischer Arbeitskräfte betroffen als Grenzregionen in Ostdeutschland. Um mögliche negative Folgen abzufedern, hoffen Brenner und Weyers, dass die Einhaltung des Mindestlohns kontrolliert wird.

Die Pflegebranche rechnet nicht mit größeren Auswirkungen durch die Freizügigkeit, obwohl sie dringend Fachkräfte sucht. Dies liege vor allem an den hohen Anforderungen an die Qualifikation der Pflegefachkräfte. "Es ist nicht zu erwarten, dass der Großteil der Osteuropäer, die nach Deutschland kommen wollen, diese Qualifikationen mitbringt", sagte der Geschäftsführer der saarländischen Pflegegesellschaft, Jürgen Stenger.

Einen großen Bedarf an Arbeitskräften sieht auch Josef Gersing, Geschäftsführer der Saarlouiser Firma A1-Zeitarbeit und Leiter des Regionalkreises Saarland/Rheinland-Pfalz-Süd im Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP). Doch stelle die Sprache eine Hürde dar. "Ich kann meinen Kunden niemanden vermitteln, der kein Deutsch spricht, auch wenn er das nötige Know-how mitbringt", so Gersing.

Ob die Osteuropäer unbedingt nach Deutschland wollen, ist für die Handwerkskammer sowie den AGV nicht absehbar. Unter Umständen seien andere Arbeitsmärkte, etwa der britische, für sie interessanter.

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