Finnland: Ein Eldorado für Familien

Helsinki. Hätte er Mette Vainio nicht getroffen, würde Hans-Joachim Schulze (Foto: SZ) wahrscheinlich heute noch im Saarland leben. Doch als 1988 an der Uni Mannheim die attraktive Finnin in sein Leben trat, weitete sich sein Blick - für ihre Schönheit und die Schönheit ihrer Heimat. 1992 fasste das Paar den Entschluss, in das Heimatland von Mette zu ziehen

Helsinki. Hätte er Mette Vainio nicht getroffen, würde Hans-Joachim Schulze (Foto: SZ) wahrscheinlich heute noch im Saarland leben. Doch als 1988 an der Uni Mannheim die attraktive Finnin in sein Leben trat, weitete sich sein Blick - für ihre Schönheit und die Schönheit ihrer Heimat. 1992 fasste das Paar den Entschluss, in das Heimatland von Mette zu ziehen. Trotz finnischer Familie und Freunden war damals kein günstiger Zeitpunkt zum Auswandern. "1992 gab es in Finnland eine tiefe Rezession. Da war es nicht so einfach für mich, eine feste Anstellung zu finden. Ich habe ziemlich viel Glück gehabt." Zwei Jahre tingelte der gebürtige Homburger von Arbeit zu Arbeit, bis er 1994 an der Wirtschaftsuniversität Helsinki angestellt wurde. Dort arbeitet der 43-Jährige noch heute als Lektor für Deutsch als Fremdsprache. Daneben unterrichtet er auch an anderen Institutionen und macht Übersetzungen. Finnisch spricht er perfekt.

Geheiratet haben die beiden schon 1989 und leben seit mittlerweile 15 Jahren in dem skandinavischen Land. Auch wenn er sich in Finnland wohlfühlt, bekommt er ab und an Heimweh. Besonders seine zwei Schwestern und sein Vater, die immer noch in Homburg leben, fehlen ihm. Außerdem vermisse Schulze die Vielfalt der Speisen und Getränke in Deutschland und die deutschen Buchhandlungen. "Das ist aber auch schon alles." Das Gute überwiegt bei weitem.

Vor allem ist das Leben ruhiger, sagt Schulze. Finnland ist so groß wie Deutschland und hat dabei nur fünf Millionen Einwohner. Zwar ist auch in Helsinki viel Verkehr. "Aber es gibt nicht so viel Hektik, Stress und Aggressivität", schwärmt der Homburger. Und auch den schnellen Informationsfluss, schätzt er in Finnland. Vieles ist vernetzt miteinander. Ein Beispiel: Mit der Sozialkennziffer können Angestellte in Ämtern alle möglichen Informationen von anderen Ämtern abrufen. "Deutsche Datenschützer würden wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen", sagt Schulze. "Aber ich finde es sehr gut, weil man hier vieles von einer Stelle aus regeln kann."

Finnland ist auch in punkto Kinderfreundlichkeit ein Vorbild. Drei bis vier Kinder zu haben, ist in Schweden normal, sagt Schulze. Die Kinder gehen hier mit spätestens neun Monaten in einen Kindergarten. Zwei Einkommen in der Familie sind die Regel. Der Familienvater lebt mit seiner Frau und den vier Kindern in einem Ort 30 Kilometer nördlich von Helsinki. Aber wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. "Die Leute neigen dazu, ihre Kinder zu vernachlässigen", merkt Schulze an. Das führe dazu, dass Drogen, Alkohol und Schuleschwänzen zu einem echten Problem an finnischen Schulen würden. "Unsere Kinder kamen aber gut damit klar, dass sie immer im Kindergarten waren." Trotz aller Kritik kann sich Schulze ein Leben in Deutschland nicht mehr vorstellen. Auch wenn er in seinem Herzen Saarländer geblieben ist. "Ich erzähle immer gerne, dass ich aus dem Saarland komme." Deshalb engagiert er sich für seine Heimatregion und ist seit über einem Jahr Mitglied der SHS Foundation, die Kontakte zu Saarländern im Ausland vermittelt. Vor kurzem hat er am Goethe-Institut in Helsinki sogar einen Saarland-Tag organisiert mit Firmen wie Villeroy & Boch und lokalen Größen wie dem Schriftsteller Alfred Gulden. "Michael Hartz, Vorstandsvorsitzender der SHS Foundation, ist extra mit Lyonern in die finnische Hauptstadt gereist", erinnert sich Hans-Joachim Schulze. Ein bisschen saarländisches Heimatgefühl für den Wahlfinnen.

Auf einen Blick

Auswandern sollte gut vorbereitet werden. Die SHS Foundation (Saarländer helfen Saarländern) aus Saarbrücken vermittelt Kontakte zu Saarländern in aller Welt, die bei den ersten Schritten in der neuen Heimat helfen. Infos zur SHS Foundation gibt es im Internet unter www.shsfoundation.de oder Telefon (0681) 9544940, Ansprechpartnerin Iris Müllenbach. Auch der Raphaels-Werk e.V. in Saarbrücken, Telefon (0681) 309060, berät Auswanderer. Einen guten Überblick gibt die Internetseite www.raphaels-werk.de. Ein weiterer Ansprechpartner ist die Informationsstelle für Auswanderer und Auslandstätige beim Bundesverwaltungsamt, www.auswandern.bund.de. dög

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