Fidel wieder fit

Mexiko-Stadt. Wie er so da saß, kam er dem alten Fidel Castro schon wieder recht nahe. Hinter einem schlichten Schreibtisch sitzend, den rechten Zeigefinger erhoben, um jeden Satz zu unterstreichen, dozierte der kubanische Ex-Staatschef am Montagabend im Fernsehen zu bester Sendezeit über das iranische Atomprogramm und die Gefahren eines Nuklearkrieges mit den USA

Mexiko-Stadt. Wie er so da saß, kam er dem alten Fidel Castro schon wieder recht nahe. Hinter einem schlichten Schreibtisch sitzend, den rechten Zeigefinger erhoben, um jeden Satz zu unterstreichen, dozierte der kubanische Ex-Staatschef am Montagabend im Fernsehen zu bester Sendezeit über das iranische Atomprogramm und die Gefahren eines Nuklearkrieges mit den USA. Nur die graue Sportjacke, das Karo-Hemd und die noch immer gebrochene Stimme erinnerten daran, dass dort ein Rekonvaleszent saß und kein Revolutionsführer. 75 Minuten dauerte diese Extraausgabe der "Mesa redonda" (Runder Tisch), der berühmtesten Polit-Talk-Sendung des Landes. Einziger Gast von Moderator Randy Alonso dieses Mal: Fidel Castro, fast 84, Ex-Staatschef und vor vier Jahren nach schwerer Krankheit über Nacht aus der kubanischen Öffentlichkeit verschwunden.

Jetzt wirkt er wieder fit, auf der Höhe der Weltpolitik und deutlich kräftiger als manch anderes Mal in den vergangenen Jahren, als das kubanische Fernsehen Bilder von einem gebeugten, geschwächten und schwer verständlichen Mann zeigte. Die TV-Sendung ist der zweite öffentliche Auftritt Castros in nur wenigen Tagen. Am Mittwoch vergangener Woche hatte er in Havanna das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNIC) besucht. Auffällig ist, dass Fidel Castro in dem Moment wieder auftaucht, wo sein Bruder und Nachfolger als kubanischer Präsident, Raúl Castro, das größte politische Zugeständnis an die Opposition in den vergangenen Jahren macht und 52 politische Häftlinge auf freien Fuß setzt. Just in dem Moment, als Castro I. im Fernsehen parlierte, wurden die ersten sieben Dissidenten mit ihren Familien zum Flughafen von Havanna gefahren, von wo sie ins spanische Exil reisen sollten. Beobachter gehen davon aus, dass das kein Zufall, sondern kalkuliert ist. Die Botschaft dahinter könnte lauten, dass Castro I. die Freilassung der Oppositionellen durch Castro II. deckt, oder sie möglicherweise sogar selber angeordnet hat. Bis zu 20 politische Häftlinge sollten noch in dieser Woche das kommunistische Eiland in der Karibik Richtung Spanien verlassen.

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