1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Fände Jesus heute seine Zielgruppe auf Facebook?

Fände Jesus heute seine Zielgruppe auf Facebook?

Könnte Jesus heute seine Botschaft auch im Internet unter die Leute bringen?Krüger: Zunächst müsste man fragen, wen er erreichen will. Und wenn man Jesus 2000 Jahre nach vorne verpflanzt, in die heutige Zeit, und er wäre ungefähr der gleiche Mensch, dann müsste man ihn ja "ganz unten" verorten, um mit Günter Wallraff zu sprechen

Könnte Jesus heute seine Botschaft auch im Internet unter die Leute bringen?Krüger: Zunächst müsste man fragen, wen er erreichen will. Und wenn man Jesus 2000 Jahre nach vorne verpflanzt, in die heutige Zeit, und er wäre ungefähr der gleiche Mensch, dann müsste man ihn ja "ganz unten" verorten, um mit Günter Wallraff zu sprechen. Jesus würde aus einer Flüchtlingsfamilie kommen, sich für die Außenseiter in der Gesellschaft interessieren. Und diese Leute gehören wahrscheinlich weniger zu diesem Mittelklasse-Besessenheitsmilieu von iPhone- und Facebook-Nutzern. Deshalb hätte ich meine Zweifel, ob Jesus gerade diese Mittel wählen würde.

Könnte es denn sein, dass Jesus heute vielleicht nicht selbst bei Facebook wäre, seine Botschaft aber doch auch auf diesem Weg Verbreitung fände?

Krüger: Ja, ganz sicher. Die zweite Generation, die dann um Mission bemüht ist, würde alle Mittel nutzen, die ihr heute zur Verfügung stehen. Gerade eine Figur wie Paulus, der ja zwischen den Gemeinden umhergereist ist und über Briefe versucht hat, so etwas wie einen Kanon der Lehre herzustellen, der würde heute bei Facebook und i Twitter aktiv sein.

Es gab also auch damals Auseinandersetzungen darüber, wem die Inhalte gehören, wer sie verändern und verbreiten darf?

Krüger: Es gab in den ersten Jahrhunderten immer wieder Diskussionen darüber, was genau die reine Lehre war. Die großen Konfessionen und Hunderte kleine christliche Gruppen sind genau das Ergebnis dieser Auseinandersetzung. Wobei man sagen muss, dass es wahrscheinlich viel mehr gab, als das, was bis heute erhalten geblieben ist. dpa