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Exilkubaner fühlen sich verraten

Exilkubaner fühlen sich verraten

Weltweit herrscht Erleichterung über die Annäherung zwischen den USA und Kuba. Nur die Exilkubaner zürnen Präsident Obama. Und natürlich die Republikaner, die ihm Verrat vorwerfen.

Die Calle Ocho ist mehr als eine Straße, dem Stadtplan nach die 8th Street im Südwesten Miamis, nur dass sie keiner so nennt. Calle Ocho, dieser spanische Name steht für geballte politische Potenz. Hier schlägt das Herz des kubanischen Exils.

Was man an der Calle Ocho über die Annäherung an Havanna denkt, lässt sich kurz auf die Formel bringen: keine Kompromisse mit den Castros, früher nicht mit Fidel, heute nicht mit Raúl. Die Macht dieser Calle Ocho erklärt sich aus den Eigenheiten amerikanischer Wahlgeografie. Wer ins Weiße Haus einziehen will, muss in Florida gewinnen, wo sich Demokraten und Republikaner alle vier Jahre ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Und wer dort bei den Cuban-Americans nicht zu punkten versteht, den zwei Millionen Exilkubanern und ihren Nachkommen, der hat von vornherein schlechte Karten.

Jahrzehntelang war die amerikanische Kubapolitik eine Gefangene innenpolitischer Zwänge. Republikanische Präsidenten übernahmen oft eins zu eins, was der harte Emigrantenkern dachte, während es demokratische nur selten wagten, die Calle Ocho herauszufordern. Auch dann nicht, wenn sie erkannt hatten, wie stark das Alles-oder-nichts ihren Spielraum einschränkte.

Allein das schon zeigt das innenpolitische Risiko, das Obama mit seinem Normalisierungskurs eingeht. "Hat er Florida gerade an die Grand Old Party verloren?", fragt das Magazin "New York". Konservative Hardliner sagen exakt das, was man von ihnen erwartet hatte. Schlechter als Obama habe, solange er zurückdenken könne, noch nie einer im Oval Office verhandelt, zürnt Marco Rubio , ein aufstrebender Senator, dessen Eltern einst aus Kuba nach Miami flohen. Obama habe dem Regime alles gegeben, was es verlangte, und im Gegenzug fast nichts dafür bekommen: "Es wird keine freien Wahlen geben, keine demokratischen Parteien, keine Pressefreiheit, nichts dergleichen wird passieren, nur weil die Leute nun Coca-Cola kaufen können."

Gewichtiger als die Rhetorik ist die Andeutung der Daumenschrauben, die eine ab Januar republikanisch beherrschte Legislative der Exekutive anlegen könnte. Blockiert der Kongress die Gelder, kann die angepeilte US-Botschaft in Havanna fürs Erste nicht öffnen.