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Ex-Chef des Pentagon kritisiert Barack Obamas Vorsicht

Ex-Chef des Pentagon kritisiert Barack Obamas Vorsicht

Im Kabinett Barack Obamas war Leon Panetta die personifizierte Loyalität, erst als CIA-Direktor, später als Chef des Pentagon. Als er seinen Hut nahm, sprach er gelassen wie ein zufriedener Rentner von der Pflege der Walnussbäume daheim in Kalifornien, der er sich nun widmen wolle.

20 Monate nach seinem Abschied hat er sich mit einem dröhnenden Paukenschlag zurückgemeldet. Seine Memoiren werfen ein grelles Licht auf das Innenleben des Weißen Hauses, an dessen Spitze ein Präsident steht, der nach Panettas Charakterstudie zu selten in den Ring steigt, um zu kämpfen.

Barack Obama besitze eine überragende Intelligenz, doziert der 76-Jährige im Tonfall eines gütigen Mentors. "Aber manchmal fehlt ihm das Feuer", zu oft baue er auf die Logik eines Rechtsprofessors statt auf die Leidenschaft eines Anführers. Als erster schwarzer Präsident der USA werde Obama von extremen Kritikern in einer Weise angegriffen, wie es bei keinem seiner Vorgänger der Fall gewesen sei, beo-bachtet Panetta. Das habe seine Vorsicht nur noch verstärkt, was seine Gegner aber zu noch heftigeren Attacken ermunterte.

Es sind vor allem die Entwicklungen im Nahen Osten, die Panetta zutiefst frustrieren. Im Irak , schreibt er, hätte sich Barack Obama stärker ins Zeug legen müssen, dann wäre auch nach dem Rückzug 2011 ein Restkontingent von GIs im Zweistromland verblieben. Der Präsident hätte härter verhandeln müssen, statt einfach hinzunehmen, dass der irakische Premier Nuri al-Maliki eine weitere Stationierung an die Zustimmung des Parlaments in Bagdad knüpfte. In Washington habe man genau gewusst, dass die schiitischen Abgeordneten niemals grünes Licht geben würden. Das Weiße Haus aber wollte den Irak nur noch "loswerden", sodass es den Totalabzug akzeptiert habe.

Mit Blick auf Syrien beging der US-amerikanische Präsident nach den Worten Panettas einen schweren Fehler, als er nach einem Chemiewaffenangriff auf einen Vorort von Damaskus eine Militäraktion gegen die Regierung Baschar al-Assads ankündigte, um kurz darauf zur Wende zu blasen. "Das Resultat war ein Schlag gegen unsere Glaubwürdigkeit. Wenn der Commander-in-Chief eine rote Linie zieht, muss er handeln, wenn diese Linie überschritten wird", urteilt Panetta .