EVP-Brexitbeauftragter Elmar Brok zu neuen Chancen für einen geregelten EU-Austritt der Briten

EVP-Brexitbeauftragter Elmar Brok : „Ich würde nicht Haus und Hof darauf verwetten“

Der Brexit-Beauftragte der Europäischen Volkspartei sieht zumindest eine kleine Chance, dass es jetzt doch einen geordneten EU-Austritt der Briten gibt.

Die britische Premierministerin Theresa May will jetzt mit der Opposition kooperieren. Nach Ansicht des CDU-Europaabgeordneten und Brexit-Beauftragten der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Elmar Brok, ist dieses Vorgehen überfällig. Womöglich ergebe sich eine neue Chance für einen geordneten EU-Austritt, so Brok im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Brok, was bedeutet die neueste Kehrtwende von Theresa May für den Brexit?

May macht jetzt das, was wir schon lange fordern – sie redet mit der Opposition. Endlich setzt sie nicht mehr allein darauf, mit ihrer zerstrittenen Partei irgendwie eine Mehrheit für einen Brexit-Deal hinzubekommen.

Legt sie damit ihr Schicksal in die Hände von Labour-Chef Jeremy Corbyn?

Das sehe ich nicht so. Ihr Schicksal ist vielmehr damit verknüpft, dass sie eine Mehrheit für den Deal mit der Europäischen Union hinbekommt. Sollte May endgültig scheitern, ist ihre politische Karriere eh beendet. Insofern scheint sie jetzt den richtigen Weg gehen zu wollen. Sie gelangt langsam zu der Erkenntnis, dass das Land vor der Partei kommt und nicht umgekehrt.

Das heißt, ein geordneter Brexit wird wieder etwas wahrscheinlicher?

Er hat zumindest wieder eine kleine Chance bekommen. Man weiß ja noch nicht genau, wie es in London weitergeht. Es könnte sich eine neue Konstellation ergeben und damit eine neue Möglichkeit, dass es doch noch einen geordneten Brexit gibt. Haus und Hof würde ich aber nicht darauf verwetten. Denn wir haben uns schon zu oft geirrt in den letzten Wochen.

Bis wann wäre eine weitere Verschiebung des Brexits jetzt noch möglich?

May möchte einen Aufschub bis zum 22. Mai haben. Die Europawahl setzt da Grenzen. Das heißt aber auch, sie muss eine Vereinbarung mit Corbyn in den nächsten acht Tagen durch das Unterhaus bekommen. Denn der Stichtag für den Brexit ist derzeit der 12. April.

Kann die EU noch flankierend etwas tun?

Gegenwärtig nicht. Der Deal ist seitens der EU ausverhandelt. Es geht nur noch darum, für was am Ende im Vereinigten Königreich eine Mehrheit vorhanden sein wird.

Wie groß ist der Flurschaden für Europa durch das ganze Brexit-Chaos?

Da sehe ich keinen Flurschaden. Denn laut Umfragen ist die Zustimmung zu Europa in den 27 Mitgliedsländern stark gestiegen. Die Menschen sehen, welche Konsequenzen es hat, so etwas wie einen Brexit machen zu wollen. Groß ist der Schaden hingegen für den Parlamentarismus in England und die politischen Eliten dort.

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