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Nato-Alternative : Europa setzt bei der Sicherheit jetzt auf das eigene Militär

Nato-Alternative : Europa setzt bei der Sicherheit jetzt auf das eigene Militär

Mit der Gründung einer eigenen Verteidigungsunion wollen sich 23 EU-Staaten unabhängiger von den USA machen. Schwächt das Projekt die Nato?

Jens Stoltenberg gab sich sichtlich Mühe, die möglichen Vorteile des historischen Projekts für die Nato herauszustreichen. Er freue sich darüber, dass sich so viele EU-Staaten zu einer engen militärischen Zusammenarbeit verpflichtet hätten, ließ der Generalsekretär der Nato gestern wissen. Eine stärkere europäische Verteidigung stärke schließlich nicht nur Europa, sondern auch die Nato. Dafür müsse lediglich sichergestellt werden, dass alle EU-Truppen und alle neuen Fähigkeiten auch von der Nato genutzt werden könnten. „Was wir nicht gebrauchen können sind Doppelstrukturen und Konkurrenzkampf.“

Wer sich ansieht, was die EU mit dem gesterm aus der Taufe gehobenen Projekt bezweckt, kann allerdings Zweifel daran bekommen, dass der Startschuss für eine europäische Verteidigungsunion langfristig wirklich zu einer Stärkung der von den USA dominierten Nato führt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen machte am Rande unmissverständlich klar, dass es auch um eine Reaktion auf die Politik von US-Präsident Donald Trump geht, der vor allem zu Beginn seiner Amtszeit immer wieder Zweifel daran geweckt hatte, ob die USA im Ernstfall wirklich die EU-Alliierten unterstützen würden. „Es war für uns wichtig – gerade nach der Wahl des amerikanischen Präsidenten – uns eigenständig aufzustellen“, sagte die CDU-Politikerin. „Wenn es eine Krise gibt in unserer Nachbarschaft, müssen wir handlungsfähig sein.“

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn wurde noch deutlicher. Natürlich sei die neue Verteidigungsunion nicht gegen die Nato gerichtet, aber man müsse schon feststellen, „dass die amerikanische Außenpolitik zur Zeit ein wenig undurchsichtbar ist“, kommentierte er spitz. „Die EU kann nun ihre Autonomie unter Beweis stellen“, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian.

Für die Nato könnte dies Folgen haben. Denn auch wenn es niemand offen ausspricht: Autonom wird die EU natürlich nur dann agieren können, wenn sie eigene Strukturen aufbaut. Angesichts von begrenzten Ressourcen stellt sich die Frage, ob die Nato künftig noch auf genauso viel Unterstützung der EU-Staaten zählen kann wie in der Vergangenheit. Mit dem Beitritt zur Verteidigungsunion verpflichten sich die bislang 23 Länder nämlich, sich intensiv am geplanten europäischen Verteidigungsfonds zu beteiligen. Über ihn sollen noch vor Ende des Jahrzehnts erste gemeinsame Rüstungsprojekte finanziert werden.

Wie sinnvoll das ist, zeigt die aktuelle Situation. Für bestimmte Hubschrauberprogramme gibt es in Europa mehr Hubschraubertypen als Staaten, die Hubschrauber kaufen könnten. 17 Typen von unterschiedlichen Kampfpanzern in der EU steht nur einer in den USA gegenüber. Die durch mangelnde Kooperation entstehenden „Kosten“ werden von der EU-Kommission auf eine Summe zwischen 25 und 100 Milliarden Euro geschätzt – pro Jahr.

Um in Zukunft Geld sparen zu können, muss erst mal investiert werden. Deutschland und die an der Verteidigungsunion teilnehmenden Staaten verpflichten sich deshalb darauf, ihre Wehretats regelmäßig zu erhöhen. Deutliche Kritik kam dafür von den Linken. Die Unterzeichnung durch die Bundesregierung sei „friedenspolitisch unverantwortlich und ohne Entscheidung des Bundestages zudem ein Verstoß gegen die Maßgaben des Bundesverfassungsgerichts zum Vertrag von Lissabon“, kritisierte Sahra Wagenknecht (Linke).

Freuen kann sie allerdings, dass die Staaten der Verteidigungsunion der Nato nicht versprechen, ihre neuen Fähigkeiten im Ernstfall zur Verfügung zu stellen. Im Gründungsdokument heißt es nur: „Die Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit wird auch für die Nato nützlich sein.“