Europa kämpft gegen Plastiktüten

Europa kämpft gegen Plastiktüten

Plastiktüten sind fast immer zur Hand, deshalb machen sie viel Müll. Zum Schutz der Umwelt sollen Verbraucher künftig deutlich weniger Tüten benutzen. Darauf haben sich Unterhändler von EU-Staaten und Europaparlament verständigt.

Der Kampf gegen die Plastiktüte kann beginnen. Spätestens in drei Jahren soll in Europa der gewohnte Griff zur Einweg-Tragetasche der Vergangenheit angehören. In der Nacht zum Dienstag verständigten sich die europäischen Gremien in Brüssel nach jahrelangen Beratungen auf einen Kompromiss. Dem müssen zwar am Freitag noch die Vertreter der Mitgliedstaaten formell zustimmen. Änderungen werden jedoch nicht mehr erwartet.

Was dann folgt, dürfte auch für die Bundesbürger eine Umstellung werden. Denn die Bundesregierung muss sich nun entscheiden, wie sie den Verbrauch von derzeit 71 Tüten pro Person und Jahr drastisch senkt. Entweder man führt bis 2017 einen Abgabepreis ein, wie er schon jetzt von einigen Einzelhandelsketten erhoben wird. Oder man drückt mit anderen staatlichen Mitteln den Verbrauch auf höchstens 40 Tüten jährlich. Dieses Ziel muss spätestens 2025 erreicht sein. "Wenn diese Einigung zustande kommt, ist es ein historischer Schritt", sagte gestern die Grünen-Politikerin Margrete Auken.

Durchschnittlich 198 solcher Tüten verbraucht jeder EU-Bürger derzeit pro Jahr, Rekordhalter sind die Portugiesen (500). Besonders sparsam dagegen zeigen sich die Iren. Dort sank der Verbrauch nach Einführung einer Abgabegebühr von 22 Cent auf 20 pro Kopf und Jahr. Es ist ein Beispiel, das Schule machen soll.

Doch die Reform enthält einige unerwartete Ausnahmen. So hatte sich das EU-Parlament ursprünglich für ein Verbot der besonders dünnen Plastiktragetaschen ausgesprochen, die häufig an Gemüse-Theken genutzt werden. Sie darf es weiter geben - aus hygienischen Gründen und um die weitaus schädlicheren Hartschaum-Schalen zu vermeiden.

Das Augenmerk der EU richtet sich zunächst auf die größeren Einwegbeutel. Zwar seien, so hieß es gestern aus der deutschen Delegation in Brüssel , die Bundesbürger bereits daran gewöhnt, nach dem Einkauf für eine Plastiktüte zu bezahlen. Allerdings gebe es noch viele Branchen, die die bunten Behältnisse ohne Aufschlag abgäben. Das dürfte sich in Zukunft ändern, wenn Berlin die europäische Vorschrift in nationales Recht umsetzt.