Euro-Zentralbank senkt Zinsen auf Rekordtief

Euro-Zentralbank senkt Zinsen auf Rekordtief

Mit den niedrigsten Zinsen seit Einführung des Euro will die Europäische Zentralbank die Wirtschaft des Kontinents ankurbeln. Die Sparer erhalten damit allerdings noch weniger für ihre Einlagen.

Mit einer historischen Zinssenkung stemmen sich Europas Währungshüter gegen die Wirtschaftsflaute im Euroraum. Die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt den ohnehin schon extrem niedrigen Leitzins noch einmal von 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent zurück - und das muss noch nicht der Tiefpunkt sein. "Wir sind bereit zum Handeln, falls notwendig", bekräftigte EZB-Präsident Mario Draghi gestern nach der Sitzung des Notenbank-Rates im slowakischen Bratislava. Damit können sich Banken im Euroraum bei der Zentralbank Geld so billig leihen wie nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Die Währungshüter hoffen, dass die Finanzbranche das billige Geld in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen wird, zumal die EZB den Banken nichts dafür zahlt, wenn sie Geld über Nacht bei ihr parken - der Zinssatz dafür bleibt bei null.

So sollen die Firmen mehr Euros für Investitionen, die Verbraucher mehr Euros für Konsum ausgeben, damit die Wirtschaft in Europa belebt wird. Bislang funktioniert das nicht in dem erwarteten Maß - obwohl das Zinsniveau im Euroraum bereits seit Juli 2012 extrem niedrig ist und die EZB den Banken zusätzlich mit langlaufenden Krediten zu extrem günstigen Konditionen unter die Arme griff. Kehrseite der Medaille für Verbraucher: Mit niedrigen Notenbankzinsen sind auch sehr niedrige Zinsen zum Beispiel für Sparkonten verbunden.

Die erneute Leitzinssenkung ist umstritten, obwohl die Inflation derzeit niedrig ist - im April sank die Rate im Euroraum auf 1,2 Prozent - und damit der EZB von der Inflationsseite her Spielraum zum Handeln lässt. Denn vor allem in Deutschland wird bezweifelt, dass noch billigeres Geld die Konjunktur in Krisenländern wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland wirklich anschieben kann.

Draghi argumentierte: "Wir haben 17 Länder, deren Wirtschaft sich stark unterscheidet. Wir denken: Wenn man in Betracht zieht, dass die Wirtschaftsschwäche auch die Kernländer betrifft, profitieren alle von diesem Schritt." >

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