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EU-Führerschein als Hindernis: Feuerwehren suchen händeringend Fahrer

EU-Führerschein als Hindernis: Feuerwehren suchen händeringend Fahrer

Brüssel. Deutschlands Feuerwehren plagen massive Sorgen: Ihnen gehen die Fahrer für die schweren Einsatzfahrzeuge aus. Schon seit einigen Monaten häufen sich entsprechende Klagen vor allem aus kleineren Städten und Gemeinden

Brüssel. Deutschlands Feuerwehren plagen massive Sorgen: Ihnen gehen die Fahrer für die schweren Einsatzfahrzeuge aus. Schon seit einigen Monaten häufen sich entsprechende Klagen vor allem aus kleineren Städten und Gemeinden. Der Grund: Nach der Neuordnung der Führerschein-Klassen durch die EU dürfen junge Leute, die ihre Pkw-Fahrlizenz des Typs B nach 1999 erworben haben, nur noch Autos bis maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht lenken. Was in Deutschlands Feuerwehr-Garagen steht, ist aber sehr viel schwerer. Um den dafür nötigen Führerschein der Klasse C oder CE zu erwerben, sind einschließlich aller Kosten rund 2000 Euro fällig. Die Gemeinden zahlen nicht, den jungen Männern fehlt das Geld.

"Betroffen sind vor allem die Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland", bestätigt der Europa-Abgeordnete Markus Ferber (CSU). Die Schuld liegt aber nicht in Brüssel, sondern im Berliner Bundesverkehrsministerium. Das Europäische Parlament hatte nämlich im Führerschein-Beschluss Sonderregelungen für Feuerwehren verankert. Die wurden jedoch für die Bundesrepublik bisher nicht übernommen. Ferber: "Bundesverkehrsminister Tiefensee hat die Anpassung an das deutsche Gesetz verschlafen." Nun will der Freistaat Bayern im Bundesrat eine Initiative vorlegen, damit auch in Deutschland die jungen Feuerwehr-Männer wieder - wie ihre älteren Kollegen - die großen Fahrzeuge steuern dürfen.

Probleme auch im Saarland

"Den Feuerwehren brennt das Thema unter den Nägeln", sagt beispielsweise der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Biberach, Klaus Merz. In Stade, so bestätigt Kreisbrandmeister Gerhard Moldenhauer, konnten die Löschfahrzeuge "in wenigen Ausnahmen" sogar erst verspätet ausrücken, weil in der aktuellen Schicht kein Fahrer mit dem richtigen Führerschein gefunden werden konnte.

Auch im Saarland ist die Problematik bekannt. Wie der zuständige Referatsleiter des Innenministeriums, Rainer Thome, der Saarbrücker Zeitung mitteilte, habe der Ausschuss "Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV)" der Innenministerkonferenz eine Initiative gestartet, um eine generelle Erhöhung der zulässigen Gesamtmasse für Fahrzeuge ohne Anhänger auf bis zu 4,25 Tonnen zu erreichen, die mit dem Klasse B-Führerschein geführt werden dürfen. Das wird von Praktikern jedoch abgelehnt, da die Zahl der Fahrzeuge in dieser Gewichtsklasse zu gering sei.

 Um Brände zu löschen, ist oft schweres Gerät wie diese Drehleiter notwendig. Foto: bub
Um Brände zu löschen, ist oft schweres Gerät wie diese Drehleiter notwendig. Foto: bub