EU befürchtet schwere Zeiten für Deutschland

Saarbrücken/Brüssel. Die EU-Kommission erwartet für Deutschland den stärksten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach einem gestern veröffentlichten Konjunkturgutachten wird das Bruttoinlandsprodukt 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent schrumpfen. Damit würde Deutschland von der globalen Wirtschaftskrise schlimmer getroffen als andere europäische Staaten

Saarbrücken/Brüssel. Die EU-Kommission erwartet für Deutschland den stärksten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach einem gestern veröffentlichten Konjunkturgutachten wird das Bruttoinlandsprodukt 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent schrumpfen. Damit würde Deutschland von der globalen Wirtschaftskrise schlimmer getroffen als andere europäische Staaten. In der EU soll der Rückgang nur bei 1,9 Prozent liegen.

Brüssel befürchtet damit nahezu denselben Einbruch, mit dem auch die Bundesregierung rechnet. Der aktuellen Jahreswirtschaftsbericht, der heute vorgestellt wird, geht von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent aus. Zudem soll die Zahl der Arbeitslosen im Laufe des Jahres um 500 000 auf rund 3,5 Millionen ansteigen. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD, Foto: dpa) warnte allerdings erneut vor Schwarzmalerei. Deutschland sei in einer vergleichsweise guten Ausgangsposition, sagte er vor einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen: "Gucken Sie sich die Defizite anderer Ländern an. Da hab ich den Eindruck, dass Deutschland noch einigermaßen gut dasteht."

Schlechte Nachrichten gab es gestern wieder aus der deutschen Industrie. Der Chemiekonzern BASF gab bekannt, dass er wegen eines "deutlichen" Nachfrage-Einbruchs an ersten Standorten Kurzarbeit einführt. Der Stammsitz Ludwigshafen ist zwar vorerst nicht betroffen, doch allein in Münster sollen im Februar rund 1500 Beschäftigte in Kurzarbeit gehen. Auch der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF rechnet mit Arbeitszeitverkürzungen in erheblichem Umfang. Aktuell seien 700 Mitarbeiter betroffen, ab 1. Februar folgen rund 3800 Beschäftigte in Passau, zudem werde an zahlreichen Standorten verhandelt. Für Saarbrücken ist noch nicht entschieden, ob und wann Kurzarbeit beantragt wird, sagte ein Sprecher. Dies stehe erst Mitte bis Ende kommender Woche fest, hieß es.

Nach Angaben des Statistischen Amtes verzeichnete die gesamte saarländische Industrie zum Jahresende einen heftigen Auftragseinbruch. Die Bestellungen verringerten sich im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 28,6 Prozent. Beim Maschinenbau gingen die Aufträge um 32 Prozent zurück, in der Metallbranche um 33 Prozent. dpa/ddp/red