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„Es gibt noch immer eine Welt zu heilen“

„Es gibt noch immer eine Welt zu heilen“

Israels Ex-Präsident galt als unermüdlich, doch seine Friedensvision konnte er nicht umsetzen. Schimon Peres ist gestern mit 93 Jahren gestorben. Zu seiner Beerdigung werden Tausende Trauergäste aus aller Welt erwartet.

Israel nimmt Abschied von dem letzten der Gründerväter. Schimon Peres war einer von denen, die aus der Diaspora kamen und ihr Leben lang Hebräisch mit Akzent sprachen. Er gehörte zu den Zionisten, die den Traum vom eigenen Staat für die Juden von der ersten Stunde an mitgestaltete. Es gibt kein wichtiges Regierungsamt, das Peres nicht irgendwann besetzt hätte. Er war Regierungschef, Staatspräsident und Nobelpreisträger. Seinen Traum vom Frieden mit den Palästinensern konnte er sich nicht erfüllen. "Es gibt noch immer eine Welt zu heilen", sagte Peres in seiner Abschiedsrede vor zwei Jahren als Staatspräsident. Der 93-Jährige erlitt vor zwei Wochen einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb gestern in einem Tel Aviver Krankenhaus.

Als Szymon Perski in Polen geboren, hatte er nach seiner Einwanderung beim Aufbau des jüdischen Staates mitgeholfen - an der Seite des legendären Staatsgründers David Ben Gurion. Viele Palästinenser sehen den Pionier des israelischen Zionismus allerdings eher als jemanden, der ihren eigenen Traum von einem unabhängigen Staat Palästina verhindert hat. Nach der Staatsgründung 1948 widmete Peres fast sieben Jahrzehnte seines Lebens dem öffentlichen Dienst - zweimal war er Regierungschef, sieben Jahre lang Präsident und mehrmals Minister. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. "Sein wichtigstes Anliegen war es immer, dem jüdischen Volk zu dienen", sagte sein Sohn Chemi Peres kurz nach der Todesnachricht im Scheba-Krankenhaus.

Mit Peres starb auch der letzte der drei Politiker, die 1994 für die Vereinbarung der israelisch-palästinensischen Friedensverträge gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden waren. Ein Jahr nach der Auszeichnung war Israels Regierungschef Izchak Rabin von einem jüdischen Fanatiker erschossen worden, um weitere Gebietsabtretungen an die Palästinenser zu verhindern. Der Palästinenserpräsident Jassir Arafat starb 2004. Und zwei Jahrzehnte nach Abschluss der Verträge gilt auch der Nahost-Friedensprozess als gescheitert.

Wegen seines unermüdlichen Einsatzes für eine Friedensregelung in Nahost war Peres, der stets besonnen auftrat und mit sonorer Stimme sprach, auf dem internationalen Parkett dennoch hoch angesehen und galt fast als eine Art Lichtgestalt. Der Vetter der Hollywood-Schauspielerin Lauren Bacall wirkte glaubwürdig und staatsmännisch. Dabei war er in seiner Heimat lange eine sehr umstrittene Figur. In Israel wurde der dreifache Vater als "ewiger Verlierer" belächelt, der immer wieder von politischen Rivalen an die Seite gedrängt wurde. Seine Vision von einem friedlichen Nahen Osten wurde von vielen als weltfremde Spinnerei belächelt. Palästinenser warfen ihm bis zuletzt vor, er habe als Feigenblatt der israelischen Besatzung gedient. Vorgeworfen wurde Peres als damaligem Regierungschef auch lange eine Verantwortung für das "Massaker von Kana", bei dem 1996 rund 100 libanesische Zivilisten starben. Während der Operation "Früchte des Zorns" mit dem Ziel, den Beschuss Nordisraels durch die Hisbollah zu beenden, hatte die israelische Artillerie ein UN-Schutzlager getroffen.

In den sieben Jahren als Staatspräsident gewann Peres auch unter seinen Landsleuten große Sympathie. Am Ende müsse Israel Seite an Seite mit dem "arabischen Staat Palästina" existieren, meinte Peres. Das Schimon-Peres-Friedenszentrum in Tel Aviv soll seine Arbeit fortsetzen.