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Erstmals brennt eine deutsche Botschaft

Erstmals brennt eine deutsche Botschaft

Addis Abeba/Berlin. Erstmals seit Beginn der Proteste gegen ein islam-feindliches Video ist auch eine deutsche Botschaft zum Ziel von gewaltsamen Angriffen geworden. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde Deutschlands diplomatische Vertretung von einer Menschenmenge gestürmt und in Brand gesetzt

Addis Abeba/Berlin. Erstmals seit Beginn der Proteste gegen ein islam-feindliches Video ist auch eine deutsche Botschaft zum Ziel von gewaltsamen Angriffen geworden. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde Deutschlands diplomatische Vertretung von einer Menschenmenge gestürmt und in Brand gesetzt. Verletzt wurde niemand, weil alle Diplomaten das Gebäude vorsichtshalber schon verlassen hatten. Auch die britische Botschaft wurde attackiert. Später zogen mehrere hundert Demonstranten vor die US-Botschaft. Dort kam es zu schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija wurde ein Demonstrant getötet, als Sicherheitskräfte mit Tränengas auf die Menschenmenge vor der US-Botschaft in Khartum feuerte. Für Sonntag haben islamistische Gruppen zu neuen Protesten vor der deutschen Botschaft aufgerufen.Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte den Angriff in Khartum. Als Zeichen des Protests wurde der sudanesische Botschafter in Berlin ins Auswärtige Amt einbestellt. Westerwelle verlangte von der sudanesischen Regierung, die Sicherheit der Botschaft wiederherzustellen. Zugleich äußerte er aber auch Verständnis für den Unmut in der islamischen Welt, der sich gegen ein in den USA produziertes Video richtet. "Ich verurteile dieses schändliche Video. Aber das ist keine Rechtfertigung für Gewalt."

Das Youtube-Video aus den USA hatte anti-westliche Proteste in vielen islamischen Ländern mit mindestens zehn Toten ausgelöst. Die sudanesische Regierung hatte den Internet-Film nach einem Bericht der Zeitung "Sudan Tribune" am Donnerstag scharf verurteilt. Islamistische Gruppen hatten daraufhin zu gewaltsamen Protesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen. In den auf Youtube veröffentlichten Sequenzen von "Innocence of Muslims" ("Unschuld der Muslime") wird der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt. Drahtzieher ist laut US-Medienberichten eine dunkle Figur mit kriminellem Hintergrund. dpa