Erneut Deutsche in Türkei festgenommen

Sind Urlauber noch sicher? : Erneut Deutsche in Türkei festgenommen

In der Türkei landen immer mehr Bundesbürger hinter Gittern. Gibt es jetzt neue Sanktionen?

Die Festnahme von zwei weiteren Deutschen in der Türkei stürzt die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch tiefer in die Krise. Die beiden Reisenden mit ausschließlich deutscher Staatsbürgerschaft, aber wahrscheinlich türkischen Wurzeln, wurden am Donnerstag am Flughafen des Urlaubsorts Antalya von der Polizei aufgegriffen. Das Auswärtige Amt ging gestern davon aus, dass sie wie zehn andere in den vergangenen Monaten inhaftierte Deutsche aus politischen Gründen festgenommen wurden.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte das Vorgehen der Türkei scharf. Solche Festnahmen hätten in den „allermeisten Fällen keinerlei Grundlage“. Angesichts der jüngsten Ereignisse müsse die Bundesregierung ihre Türkei-Politik „vielleicht weiter überdenken“. SPD-Chef Martin Schulz forderte, in den nächsten Tagen weitere Sanktionen gegen das Land zu prüfen. Er schloss eine Reisewarnung nicht aus, die in der Regel nur für Bürgerkriegsländer ausgesprochen wird.

Berlin hatte bereits Mitte Juli die Türkei-Politik neu ausgerichtet. Die Verschärfung der Reisehinweise war dabei die Hauptmaßnahme. Zudem hat Merkel angekündigt, Verhandlungen über eine Ausweitung der Zollunion in der EU zu blockieren. Schulz hält auch ein Einfrieren von EU-Milliardenhilfen für geboten. Dies setzt aber den Abbruch der Beitrittsgespräche voraus – eine dafür nötige einstimmige Entscheidung der EU-Staaten ist nicht in Sicht.

Derzeit sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes 55 deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft oder in Polizeigewahrsam. Der bekannteste Gefangene ist der Journalist Deniz Yücel, dem wie anderen die Unterstützung von Terroristen vorgeworfen wird. In Deutschland wächst der Verdacht, Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan könnte Bundesbürger womöglich als Faustpfand festhalten. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, die Situation sei so ernst, „dass ich niemandem mehr mit gutem Gewissen sagen kann, dass man in der Türkei derzeit sicher ist“.

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