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Erfolg für die "Mission Akropolis"?

Erfolg für die "Mission Akropolis"?

Brüssel. Heute wird sich zeigen, was die europäische Hilfe wirklich wert ist. Griechenland braucht Geld und wird deshalb gleich zwei neue Staatsanleihen auflegen. Dann kommt es auf den Markt an

Brüssel. Heute wird sich zeigen, was die europäische Hilfe wirklich wert ist. Griechenland braucht Geld und wird deshalb gleich zwei neue Staatsanleihen auflegen. Dann kommt es auf den Markt an. "Wenn wir neben den marktüblichen Zinsen von rund fünf Prozent immer noch einen Risikoaufschlag von einem oder mehr Prozent drauflegen müssen, brauchen wir das Hilfspaket unserer Euro-Freunde", sagte gestern ein hoher Athener Diplomat, bevor er sich zu den Beratungen mit der Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzog. Die Einigung der Euro-Finanzminister vom Wochenende hat die sich immer schneller wirbelnde Spirale der griechischen Verschuldung offenbar gebremst, vielleicht sogar gestoppt. Noch in der Vorwoche musste Athen für seine Anleihen neben Zinsen von etwa fünf Prozent fast 2,4 Prozent Risikozuschlag zahlen, gestern Morgen nur noch 1,6 Prozent. Auch der Euro stoppte den Sinkflug und schaffte es im frühen Handel auf 1,3691 Dollar - den höchsten Stand seit 18. März. Der Dax erreichte bei Handelsbeginn am Vormittag mit 6285 Zählern ebenfalls einen kleinen Rekord, so hoch stand er zuletzt im September 2008. Eine gute Nachricht, auch wenn der Leitindex am Abend wieder ins Minus rutschte. "Es sieht so aus, als hätten wir es geschafft", hieß es aus der EU-Kommission. Ein Hilfspaket, das Griechenland nach eigenen Angaben gar nicht in Anspruch nehmen will und dass gerade deshalb besonders viel hilft? In Brüssel sitzen seit gestern die griechischen Finanzexperten mit ihren europäischen Kollegen und führenden Vertretern des IWF zusammen. Beschlossen werde nichts Neues mehr, berichtete ein Sprecher von Währungskommissar Olli Rehn. Es gehe nur noch darum, die letzten Details zu vereinbaren. Rund 30 Milliarden Euro kann Athen sich bei seinen Nachbarn leihen - zu einem marktüblichen Zinssatz von fünf Prozent über drei Jahre. Es sei "wichtig, das korrekt darzustellen", betonte der Chef der Euro-Zone, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker. Denn tatsächlich handelt es sich bei den Zusagen nicht um Subventionen, sondern um Kredite, die Athen zurückzahlen muss. Sollte die gesetzte Frist bis 2012 überschritten werden, werden deshalb auch Zuschläge fällig: Je länger Griechenland das Geld braucht, je höher der Aufschlag. Der IWF legt noch einmal 15 Milliarden drauf, die Summe errechnet sich aus den Einlagen, die Athen als Mitglied in den letzten Jahren getätigt hat. Auch dieser Betrag bleibt an Bedingungen geknüpft: Griechenlands Regierungschef Giorgios Papandreou muss sparen, Steuern erhöhen und die Einnahmesituation verbessern. Sollte diese Eigenleistung nachlassen, versiegt der Geldfluss aus Washington und der EU. Doch die Rechnung, so ist man in Brüssel sicher, könnte aufgehen. Der aktuelle Bedarf liegt derzeit bei 29 Milliarden und könnte durch das Kreditpaket der Euro-Freunde mühelos bedient werden. Doch zunächst will man es selbst versuchen. In Brüssel betonten die Vertreter Griechenlands immer wieder, dass sie das Geld noch nicht angefordert haben, aber dankbar seien, dass es nun greifbar wäre.