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Er ist der Herr der Ferienpark-Baustelle

Er ist der Herr der Ferienpark-Baustelle

Riesig1,2 Kilometer an der längsten, 600 Meter an der breitesten Stelle misst das Areal, auf dem bis Mitte 2013 ein Ferienpark am Bostalsee entstehen soll. Auf knapp 100 Hektar - etwa 140 Fußballfelder - arbeiten 150 Menschen. Montags bis samstags. Von 6.30 Uhr bis in den Abend

Riesig1,2 Kilometer an der längsten, 600 Meter an der breitesten Stelle misst das Areal, auf dem bis Mitte 2013 ein Ferienpark am Bostalsee entstehen soll. Auf knapp 100 Hektar - etwa 140 Fußballfelder - arbeiten 150 Menschen. Montags bis samstags. Von 6.30 Uhr bis in den Abend.Produktion dieser Seite:

Matthias Zimmermann

Christine MaackMein Geländewagen ist berühmt-berüchtigt", sagt er. Wenn Michael Ostien mit seinem braunen Dacia-Duster über die holprigen Wege des Baustellengeländes rollt, tiefe Schlaglöcher und stramme Steigungen meistert, wissen die Arbeiter, an denen er vorbeibraust: Hier kommt der Boss, der alles im Blick hat. "Und wehe, wenn jemand nicht seine Weste an hat!", mahnt der 53-Jährige mit einem gewissen Schalk. Diese schreigelben Blousons mit dem Aufdruck Projektgesellschaft Bostalsee auf dem Rücken und dem Maskottchen Benno Biber (siehe links oben) vorne müssen alle tragen. Als äußeres Zeichen ihrer Zugangsberechtigung auf die Großbaustelle am Bostalsee.

Wie bestellt, läuft ihm prompt ein Paar vors Auto. In Zivilkluft. Ostien geht in die Eisen, lässt aber den Motor laufen, springt raus. Höflich, dennoch bestimmt sagt er: "Guten Tag. Gehören Sie zur Baustelle?" Bald stellt sich raus, dass es sich bei den Leuten um Vertreter der Firma handelt, die die Ferienhausbausätze liefert. Für 500 Stück, die ab Mitte 2013 bis zu 2300 Urlauber beherbergen sollen. Über 100 sind bereits montiert. An einem der Baukräne hängt zehn Meter über dem Boden ein Modul für die erste Etage. Das Parterre-Stockwerk mit im Fertighauswerk bereits eingebauter Küche steht schon an seiner Stelle.

Für diese Reihenhäuser - Zweier- bis Zehnerbelegung - werden in dem Park sechs Dörfer geschaffen. Das höchst gelegene auf rund 450 Metern, das Oberdorf - bietet einen Ausblick über den See und auf das Mittelgebirge des Hunsrücks. Der Birkenhain mit Unterkünften direkt am See liegt schattig im Wald.

Doch bis es so weit ist, sind an die 150 Arbeiter vollauf beschäftigt. Wie Ostien, Projektleiter der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), sagt, beginnen die ersten der Kollegen in der Regel um 6.30 Uhr. "Ein Zwölf-Stunden-Tag ist zurzeit üblich auf der Baustelle." Und das montags bis samstags. Damit nutzten die Beschäftigten die trockenen Phasen aus. Regenwetter habe den Unternehmen, ein Großteil von ihnen aus dem Saarland, zeitweilig zugesetzt und den engen Zeitplan durcheinandergewirbelt. "Dann haben wir die Abläufe eben umgestellt, um weitermachen zu können", berichtet Ostien. Wurden die einen Arbeiten vorgezogen, andere zurückgestellt. Genau deshalb sei man im Plan. Für ihn gebe es also keinen Grund für schlaflose Nächte.

Die hat der Überherrner eher wegen der langen Arbeitstage, die ihn genauso schlauchen würden, sagt er. Seit Mai vergangenen Jahres hat er sein Übergangsbüro in einem grauen Baustellencontainer am Rande des eigentlichen Parks bezogen. Voraussichtlich bis kurz vor Eröffnungstermin 2013 will er von hier mit dafür sorgen, dass der Park entsteht. Ostien hatte sich nach eigener Aussage um den Job beworben. "Ich war vorher für das Thermalbad in Hanweiler-Rilchingen zuständig. Es war von Anfang an klar, dass einer nicht beide leiten kann." Da sei die Entscheidung fürs St. Wendeler Land schnell gefallen: "Solch ein großes Projekt wird es im Saarland so schnell wohl nicht mehr geben."

Gigantisch, was den logistischen Aufwand betreffe. Gigantisch die Erdmassen, die umgeschichtet werden müssten, um den Park mit Hanglage zu errichten. Das Gelände erstrecke sich an seiner längsten Stelle auf 1,2 Kilometern, 600 Meter an der breitesten. Knapp 100 Hektar mit etlichen Höhenmetern. "Hier wurden 100 000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben." Das entspreche rund 10 000 Lastwagenladungen.

Richtig vorwärts gehe es zurzeit an dem Komplex, wo Hallenbad, Restaurants, Supermarkt, Bäckerei, Empfang, Sportstätten und Verwaltung unter ein Dach kommen. Ostien weist auf einen Bauplan, zeigt die beiden Eingänge. Wenig später vor Ort ist das geschwungene Außenbecken an seiner betongegossenen Silhouette zu erkennen. Graue Außenwände ragen in die Höhe. Einige wurden vor Ort errichtet, andere wiederum wie ein Fertigbausatz angeliefert. Dort, wo die Terrasse in Richtung See vorgesehen ist, gleicht das Terrain zurzeit noch einer groben Ackerfläche. Nur einzelne Stahlstäbe, die aus dem Boden stehen, weisen darauf hin, dass hier ebenerdig schon was befestigt ist.

Beim Rundgang durch den Rohbau bleibt Ostien zuversichtlich: "Wir werden pünktlich fertig." Um trotzdem mal abzuschalten, nimmt er sich im Oktober Urlaub. "Ich fahre ins Ausland. Sonst hat man keine Ruhe." Da schrillt sein Funktelefon wieder.