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„Einsätze sind teilweise sehr schwierig geworden“

„Einsätze sind teilweise sehr schwierig geworden“

Seit 13 Jahren ist Bernd Becker oberster Feuerwehrmann des Landes. Die Amtszeit des Landesbrandinspekteurs endet an seinem 65. Geburtstag am Freitag. Mit SZ-Redakteurin Ute Klockner sprach er über die Entwicklungen in der Feuerwehr und vor welchen Herausforderungen das Ehrenamt steht.

Was waren die größten Veränderungen in Ihrer Amtszeit?

Becker: Als Erfolge sehe ich die Errichtung eines Brandhauses an der Landesfeuerwehrschule und dass wir 2005/2006 mit dem neuen Brand- und Katastrophenschutzgesetz die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Arbeit der Feuerwehren und der anderen Organisationen geschaffen haben. Erstmals wurde die Problematik der übergeordneten Einsatzleitung und die Arbeit im erweiterten Katastrophenschutz geklärt. Eine große Freude war für mich auch, dass es uns gelungen ist, einen hauptamtlichen Jugendfeuerwehr-Referenten zu installieren, 2009 mit einer halben, seit 2011 mit einer vollen Stelle. Positiv war auch die Einrichtung des "Arbeitskreises Hilfsorganisationen im Saarland" 2004. Er markiert eine neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen den Organisationen im Katastrophenschutz. Über fünf Jahre wurde über die neue Uniform kontrovers diskutiert, die es seit 1. April im Saarland gibt.

Was ist mit dem Zukunftsprojekt "Feuerwehr 2020", das im Jahr 2013 gestartet wurde?

Becker: Das haben wir gerade abgeschlossen. Die Broschüre mit Empfehlungen zu gemeinsamen Anschaffungen, Ausbildungskursen oder der interkommunalen Zusammenarbeit geht in Kürze in den Druck. Schließlich haben wir auch erreicht, dass die Altersgrenzen geändert worden sind, bei den Aktiven zunächst von 60 auf 63 und mittlerweile auf 65 Jahre und bei der Jugendfeuerwehr von zehn auf acht Jahre. Hinzu kommt die neue "Bambini-Feuerwehr" ab sechs Jahre.

Ein großes Thema war die Integrierte Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr. Laut Gesetz hätte sie bereits 2009 ihren Betrieb aufnehmen müssen. Das ursprüngliche Konzept mit zwei Trägern - ein Zweckverband der Kreise und die Stadt Saarbrücken - und zwei Standorten ist dann aber im Oktober 2014 gescheitert.

Becker: Ja, das ist ein Unding, dass das nicht funktioniert hat. Das sehe ich heute noch als Niederlage an. Mit der in diesem Jahr gefundenen Lösung, dass zum 1. Januar 2016 die Integrierte Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg ihren Betrieb aufnimmt - getragen von einem Zweckverband von Landkreisen und dem Regionalverband - bin ich zufrieden. Es ist wichtig, dass wir eine landesweit einheitliche Aufschaltung der Notrufnummer 112 bekommen.

Wie hat sich der Brandschutz und somit die Arbeit für die Aktiven verändert?

Becker: Heute sind die Brandeinsätze teilweise sehr schwierig geworden, weil die Häuser eine ganz andere Ausstattung haben und hoch technisiert sind. Das Gleiche gilt für Industrie und Unternehmen. Wenn es da mal zum Brand kommt, geht es wirklich zur Sache. Das haben wir jetzt erst bei der Hydac gesehen. Dafür haben wir aber auch heute eine viel bessere Ausstattung, etwa was die Feuersicherheitsbekleidung oder Fahrzeuge angeht. Die moderne Technik bietet auch den Vorteil, dass man mit weniger Leuten mehr machen kann.

Ist das angesichts der Mitgliederentwicklung notwendig?

Becker: Im Vergleich zu anderen Bundesländern stehen wir noch sehr gut da. Die Zahl der Aktiven lag Ende 2014 bei 11 481, das entspricht einem Rückgang von 0,9 Prozent zum Jahr 2013. Doch es wird zunehmend schwierig, Leute zu finden, die etwa als Löschbezirksführer Verantwortung übernehmen wollen. 2012 gab es noch 341 Löschbezirke, 2014 noch 326. Aber wenn die Zusammenführung mit Einbeziehung der Aktiven und der Feuerwehr-Führung erfolgt, wird dies nicht mehr so negativ gesehen wie noch vor Jahren.

Sollte es Ihrer Meinung nach materielle Anreize wie eine Feuerwehr-Rente geben?

Becker: Aus Bundesländern, die eine solche Rente eingeführt haben, wissen wir, dass der finanzielle Aufwand der öffentlichen Hand in keinem Verhältnis zu dem steht, was die Leute nachher wirklich bekommen. Wenn eine Kommune für jemanden Rentenbeiträge zahlen muss, ist die Mitgliederkontrolle viel schärfer. Es wird geschaut, wer zu den Übungen kommt. Wichtiger ist, dass die Anerkennungskultur für das Ehrenamt gelebt wird und nicht nur schöne Reden gehalten werden.

Wie sollte das konkret aussehen?

Becker: Das geht zum Beispiel mit guter Ausstattung in Form von Gebäuden oder Fahrzeugen. Es darf nicht passieren, dass Ehrungen über Jahre verschlafen werden. Wer im öffentlichen Dienst ist, wird eine gewisse Stundenzahl pro Woche freigestellt, um ein Amt auszuüben, etwa als Gemeinderatsmitglied. Das sollte auch für Löschbezirksführer im öffentlichen Dienst möglich sein.

Sollten die Kreisbrandinspekteure und der Landesbrandinspekteur Hauptamtliche sein?

Becker: Wir wären darüber froh. Als 2013 das Brand- und Katastrophenschutzgesetz novelliert wurde, ging es bis zur letzten Minute darum, dass diese Ämter eine optionale Hauptamtlichkeit erhalten sollen. Das ist durch die Bank abgelehnt worden, ich würde sagen aus Kostengründen. Ich halte das für zu kurz gedacht. Die Aufgaben werden immer vielfältiger, die kann man nicht nach Feierabend erledigen.

Zum Thema:

Bernd Becker trat 1970 in die Freiwillige Feuerwehr ein. Er war Jugendfeuerwehrwart in Nonnweiler (1974-1989), Löschbezirksführer von Primstal (1986-1997), Wehrführer von Nonnweiler (1997-1999) sowie Brandinspekteur des Kreises St. Wendel. 2002 ernannte die damalige Innenministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) den Diplom-Ingenieur zum Landesbrandinspekteur. In dieser Funktion berät er den Innenminister und fungiert als Mittler zwischen Freiwilligen Feuerwehren und Landesregierung. 2013 verlieh Bundespräsident Joachim Gauck ihm für sein Engagement das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. ukl